Fotos: Demo gegen AfD-Landesparteitag in Oldenburg

Oldenburg. Ich weiß nicht mehr, wie lange es her ist, seit ich an einer Demo teilgenommen habe. In Oldenburg fand am letzten Oktoberwochenende dieses Jahres der Landesparteitag der sogenannten „Alternative für Deutschland“ (AfD) statt, die keine Alternative für Deutschland werden darf. Für mich gab es mehrere Gründe, in meine alte Heimatstadt zu fahren.  Zum einen bin ich gegen Rechtspopulismus, Rassismus, Nationalismus und Ausgrenzung. Der AfD muss entgegengetreten werden. Sie ist rassistisch und gefährdet fundamentale Elemente wie Meinungs- und Religionsfreiheit. Ihre Politik führt eine Rolle rückwärts in eine Zeit, die wir nie wieder erleben möchten. Sie gefährdet unseren Frieden, Freiheit und Wohlstand, der ohne ein vereintes Europa und freien Handel nicht gewährleistet werden kann.

Zum anderen hatte ich mich mit Sebastian Ramnitz auf Facebook über den Reisetourismus zu Demonstrationen gestritten. Ich nahm mir das zum Anlass, mir selbst ein Bild von einer Demo zu machen und zu prüfen, ob ich nicht mit meiner Denkweise vielleicht falsch gelegen war … Pikanterweise wurde ich selber zum Reisedemonstranten. Dies ging schneller als ich dachte.

In Oldenburg auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs angekommen, traf ich schon eine Viertelstunde vor Beginn der Demonstration viele Leute. Die Parolen auf den Schildern überzeugten mich sofort: „Menschenrecht statt Menschenfurcht“, „Teilen statt Spalten“, „Dislike Hass, Hetze, Lügen, AfD – Like Liebe, Vernunft, Fakten, Demokratie“ und viele mehr. Ich kam mit einer Frau aus Cloppenburg ins Gespräche, sie hielt ein Schild: „Muttis gegen Rechts – Meine Kinder lernens richtig“. Ihre Tochter ist bei den Pfadfindern Mitglied und beteiligte sich auch an der Demo. Sie hefteten mir ein Schild mit dem Slogan „Für eine solidarische Gesellschaft – gegen Ausgrenzung“ auf meine Jacke, und schon war ich in den Demonstrationszug mit eingegliedert.

An der Demo beteiligten sich Parteien, gesellschaftliche Gruppen und Menschen aus den Kirchen. Unter anderem unterhielt ich mich mit einer evangelischen Frau, die mit einer anderen Frau ein Banner der katholischen Citypastoral  „Forum St. Peter“ hoch hielt. Aufgedruckt war ein Bibelvers: „Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten.“ (3. Mose 19,34). Ein Bibelvers, der diametral der Ideologie der AfD widerspricht, die sich ja auf christlich-abendländische Wurzeln beruft. Es waren auch Sozialdemokraten, Grüne, Linke und „die Partei“ dabei. Was letztere allerdings für Ziele hat, ist mir bislang verborgen gewesen. Die jungen Leute wollten mich gleich zum Eintritt werben, erfolglos.

Bei dieser Demo beteiligten sich vor allem aber viele ganz „normale“ Menschen wie ich, es gab keine Vermummten oder „Berufsdemonstranten“. Jedenfalls nicht während der Zeit, als ich mich daran beteiligte, war dies mein Eindruck. Ich war nicht bis zum Ende bei der Demo. Nicht jeder Redner überzeugte mich. Einige Redner holten zum Rundschlag gegen den Kapitalismus aus, dem sie „neofaschistische“ Züge unterstellten. Faschistische Denk- und Handlungsweisen durchzögen nicht nur die AfD sondern auch politische Institutionen in Deutschland und der Europäischen Union. Während die AfD Menschen aus rassistischen Gründen ausgrenzen würde, würde die EU sich vor Menschen aus wirtschaftlichen Gründen abschotten. Jeder Mensch müsse das Recht haben, einzuwandern und zu leben, wo er wolle.

Dem stimme ich so nicht zu, wenngleich ich durchaus für ein Einwanderungsgesetz bin. Jeder Mensch, der hier leben und arbeiten möchte, muss die faire Chance haben, sich zu bewerben. Niemand darf aus religiösen oder ethnischen Gründen benachteiligt werden. Aber der Staat hat das Recht und die Pflicht, Einwanderung zu kontrollieren. Das Asylrecht steht aber jedem Notleidenden offen und muss in jedem Fall geschützt werden.

Am meisten gefielen mir aber die vielen wertvollen und richtigen Gedanken, die die Demonstranten mit ihren Schildern und Parolen ausdrücken wollten. Leider hatte ich nicht den Eindruck, dass die Oldenburger Bevölkerung davon Notiz nahm. Zuschauer sah ich jedenfalls wenige. Deshalb gibt es von mir noch ein paar Impressionen, die ich von der Demo festgehalten habe.