Gesundheitsminister Spahns unglücklicher Vorstoß zur Organspende

Gesundheitspolitik. Eigentlich bin ich durchaus dazu bereit, meine Organe nach meinem Ableben zu spenden. Bislang hatte ich sogar einen entsprechenden Organspenderausweis bei mir in meinem Portemonnaie immer dabei. Doch der neuerliche Vorstoß vom Gesundheitsminister Jens Spahn hat mich sehr verärgert: Die sogenannte Widerspruchslösung.

Danach wird potentiell jeder zum Organspender erklärt, der keinen Widerspruch gegen die Organspende eingelegt hat. Wer nicht möchte, dass seine Organe nach seinem Ableben entnommen wird, muss einen Organspenderausweis mit dem Widerpruchsvermerk bei sich tragen.

Es soll also nun allen Leuten die Pistole auf die Brust gesetzt werden. Jeder wird gezwungen, Stellung zu einem ganz sensiblen Thema einzunehmen: Stimme ich dafür oder dagegen, dass nach meinem Tod meinem Körper Organe entnommen werden können oder nicht? Diese Entscheidung ist für keinen Menschen einfach. Schließlich sind für viele Menschen viele Fragen ungeklärt, zum Beispiel:

  1. Zeitweise gab es Skandale um den Organhandel. Ungeklärt ist: Was geschieht mit meinem Organ? Wer entscheidet darüber, wer ein Organ erhalten darf oder nicht? Wie wird garantiert, dass kein Profit aus dem Organhandel erwirtschaftet werden kann?
  2. Wer garantiert, dass ich wirklich tot bin, wenn mir die Organe entnommen werden? Es soll schon passiert sein, dass sogar für klinisch als tot erklärte Menschen wiederbelebt wurden.
  3. Wer garantiert, dass ich nicht länger leiden muss als nötig? Um Organe entnehmen zu können, werden bestimmte Lebensfunktionen des Körpers künstlich aufrecht erhalten, weil sonst die Zellen der Organe absterben würden.

Dies sind nur einige Punkte, die viele Menschen verunsichern, auch mich. In einer solchen Gemengelage darf die Politik nicht alle Menschen unter Druck setzen und sie automatisch zum Organspender erklären, wenn sie der Organentnahme nicht widersprochen haben. Als Christdemokrat bin ich darüber entsetzt, dass ein CDU-Gesundheitsminister sich über elementare Persönlichkeitsrechte (Selbstbestimmungsrecht, Unversehrtheit von Leib und Leben) hinwegsetzt. Nach meiner Meinung ist die Widerspruchslösung mit dem christlichen Menschenbild nicht vereinbar.

Unzweifelhaft werden mehr Spenderorgane gebraucht. Viele Menschen müssen sterben, weil sich zu wenig Menschen bereit erklärten, Organe zu spenden. Aber niemand hat ein Recht auf ein Organ eines anderen. Der Körper eines Verstorbenen ist kein Ersatzteillager für die Medizin. Die Organspende muss aus freien Willen erklärt werden. Niemand darf unter Druck stehen, sich für oder gegen eine Organentnahme zu entscheiden. Jeder muss für sich frei entscheiden, ob er sich verpflichtet und in der Lage fühlt, seine Organe nach seinem Tod zur Verfügung zu stellen. Das hat der Staat, dies hat auch Herr Minister Spahn zu respektieren!

Aus Protest gegen die Widerpruchslösung habe ich nun der Organspende widersprochen und mir einen entsprechenden Organspenderausweis in mein Portemonnaie gelegt. Ich rechne damit, dass es auch viele andere gibt, die das ähnlich sehen und hoffe, dass die Politik einen anderen Weg findet, mehr Menschen für die Organspende zu gewinnen. Am besten, indem man die große Verunsicherung bei dem Thema mit Aufklärung bekämpft.

Organspenderausweis