Ist Mastodon das bessere Twitter?

Soziale Netzwerke. Twitter und Facebook und YouTube sind in die Kritik gekommen. Zum einen, weil die Konzerne, die diese Plattformen betreiben, die Daten, Interessen und Vorlieben ihrer Nutzer sammeln und an Werbepartner weiter verkaufen. Zum Anderen auch, weil sie manipulieren, was ihre Nutzer zu sehen bekommen. Viele nutzen Facebook und Twitter nicht mehr, weil der Shitstorm, der dort verbreitet wird, für viele Zeitgenossen unerträglich geworden ist. Als Alternative wurden Dezentrale Netzwerke entwickelt. Sie werden nicht von Konzernen sondern von vielen kleinen privaten Anbietern, den Besitzern von Instanzen, betrieben. Jeder kann eine Instanz selber auf seinen eigenen Server installieren und sich so dem „Fediversum“, dem dezentralen Netzwerk anschließen. Wer keine eigene Instanz eröffnen möchte, kann ein Konto auf irgendeiner Instanz einrichten, genauso wie man das auch auf Facebook oder Twitter macht.

Doch ist es bei den alternativen Netzwerken wirklich besser als bei den großen bekannten Anbietern? Wird man von Hass, Rechtsextremismus und Pornografie verschont? Dafür gibt es keine Garantie. Bei Mastodon kann man zwischen der lokalen Zeitleiste der eigenen Instanz oder der förderierten Zeitleiste wählen. Während auf der Zeitleiste der eigenen Instanz keine Inhalte geduldet werden, die gegen die Gesetze verstoßen, wimmelt es auf der föderierten Zeitleiste förmlich von zweifelhaften Beiträgen, die meistens hinter einer Inhaltswarnung verborgen werden, aber dennoch frei zugänglich sind. So sah ich haufenweise pornografische Nacktbilder von Frauen und sogar das Bild eines erigierten Penis eines Mannes. Verschärft wird das dadurch, dass es sich bei hinter Inhaltswarnung verborgenen Bildern durchaus um interessante Kunstwerke handeln kann. Man weiß also nie, ob man ein Kunstwerk oder eine Pornografie öffnet.

Mastodon und Co. sind also die ideale Fundgrube von Konsumenten solcher Inhalte. Meinen Kindern würde ich einen Zugang zu dezentralen Netzwerken schon allein aus diesem Grund wahrscheinlich verbieten. Auch Rechtsextreme sollen die Vorteile Dezentraler Netzwerke für sich erkannt haben. Nachdem sie aus Twitter, Facebook und Co. schrittweise herausgeworfen wurden, wechselten sie zunächst zu gab.ai. Auch dort bekamen sie Schwierigkeiten und entdeckten das Dezentrale Netzwerk. Dort können sie eigene Instanzen gründen, von denen aus sie ihre Inhalte verbreiten können.

Mastodon versuchte, diese Instanzen zu isolieren. Aber ganz kann man Rechtsradikale nicht aus dem Fediversum verbannen.Gonauso wenig wie Pornoinhalte und Hass. Blockt man eine Instanz oder einen Account, kann letzterer mit einem neuen Account auf eine andere Instanz wechseln. Das ist eben genau das Problem Deentraler Netzwerke. Bei Twitter und Facebook können Nutzer zentral aus dem Netzwerk geschmissen werden, das ist technisch einfacher zu lösen, als bei Mastodon und Co. Mir sind rechtsradikale Inhalte allerdings noch nicht so extrem auf Mastodon aufgefallen. Schlimmer finde ich sexistische und pornografische Inhalte, die zwar meistens mit einer Inhaltswarnung versehen, aber doch ständig angeboten werden.

Warum ist Mastodon dennoch interessant? Weil man auf diesem Netzwerk andere Ideen, andere Leute treffen kann. Es gibt Beiträge, Meinungen, Bilder, Kunstwerke wie sonst nirgendwo. Es erinnert an das Twitter der Anfangszeit. Ein Netzwerk mit vielen Experimenten und neuen Aufbrüchen. Ich bleibe bei Mastodon, aber Twitter und Facebook wird es für mich nicht ersetzen. Und wer sich vor Sexismus, Hass und Radikalismus schützen will, für den sind Mastodon und Co. auch keine Alternative.