Wenn Leute nicht mehr „Mein“ von „Dein“ unterscheiden können

Persönlich. Es ist wieder Herbst. Für mich ist es die Zeit der ungebetenen Gäste. Eigentlich glaubte ich, das Thema hätte sich erledigt. Den Nussbaum auf dem Innenhof habe ich im Sommer fällen lassen, da ich den Hof als Wendeplatz zu meinem neuen Carport benötige. Er war alljährlich gewaltiger Magnet für allerhand Menschen, die sich ein paar Cent sparen wollten, indem sie ein paar Nüsse sammeln. Und davon gibt es allerhand Menschen. Extreme Nussfanatiker waren die Flüchtlinge aus dem Iran und Irak, die zeitweise im Nachbarhaus als Flüchtlinge untergebracht waren.

Ich brauchte viel Geduld und Zeit, ihnen zu erklären, dass sie mich vorher fragen müssen, wenn sie mein Grundstück betreten und Nüsse sammeln wollen. Irgendwann hatten es alle begriffen und klingelten vorher. Natürlich durfte jeder so viel Nüsse sammeln, wie er wollte und konnte, wenn er mich vorher gefragt hatte.

Aber es gibt auch allerhand Einheimische, die alles sich nehmen und sammeln, solange es nichts kostet. Eigentlich ist klar erkennbar, dass mein Grundstück privat ist. Es ist umgeben von einer Weißdornhecke und Alpenrosen mit großen Eichenbäumen. Tore versperren den Eingang. Die Alpenrosen sind allerdings ein wenig löcherig geworden. Zwei Heißsommer haben das Ihrige dazu beigetragen. Für Pflanzen mit Flachwurzeln  ist das tödlich, besonders wenn sie unter Eichen stehen, die alles Grundwasser holen, was noch übrig bleibt. Dennoch: Jeder sieht sofort, dass es sich bei meinem  Garten um keinen öffentlichen Park handelt.

Und es gibt Zeitgenossen, die das wenig interessiert. Und wohlgemerkt, das sind nicht unbedingt Ausländer, sondern sehr häufig Deutsche. Im Frühjahr wachsen, nein, genauer gesagt, wuchsen bei mir haufenweise Schneeglöckchen auf dem Rasen. Es kamen wildfremde Leute in den Garten und rissen mir die schönen Schneeglöckchen Auf meiner Nachfrage, wie sie auf die Idee kämen, bei mir Blumen auszureißen, behaupteten sie im Glauben zu sein, sich in einem öffentlichen Park zu befinden. Mal dahingestellt, es wäre so, heißt dies noch lange nicht, einfach Blumen raus reißen zu dürfen! Wo kämen wir hin, wenn jeder in den Herrenhäuser Gärten oder im Oldenburger Schlossgarten Blumen pflückt?!

Auch heute stand bei mir eine reifere (deutsche!) Seniorin bei mir im Garten, um dort Nüsse zu sammeln, die von meinem zweiten Nussbaum gefallen sind. Als ich sie fragte, was sie auf meinem Grundstück machte, machte sie keinerlei Anzeichen, sich zu entschuldigen und aus meinem Garten zu verschwinden.

Sie zeigte geradezu Unverständnis für meine Aufregung. Ich wurde daraufhin recht ungehalten und verwies sie recht unfreundlich von meinem Grundstück. Sie fühlte sich offensichtlich im Recht und verließ meinen Garten erst, als ich sie mit Nachdruck dazu aufforderte: „Bitte verlassen Sie mein Grundstück und kommen nicht wieder“ Danach sammelte sie wohl woanders weiter. Es geht mir nicht um die paar Nüsse. Es geht mir um Respekt! Um die Achtung des Eigentums des Anderen. Wer im Kleinen „klaut“, der ist auch bereit, im Großem zu stehlen. Leider gibt es immer mehr Menschen, die zwischen „Mein“ und „Dein“ nicht immer so gründlich unterscheiden.