Tag 1: Bakum in Zeiten von Corona

Bislang schien Corona weit weg von meinem Lieblingsdorf Bakum. Irgendwo in China, vielleicht. Seit einer Woche ist auch mein Dorf im Pandemie-Zeitalter gelandet. Der benachbarte Kindergarten und die Schule ist geschlossen. Man könnte meinen, die Ferien sind angefangen.

Heute Morgen war es mucksmäuschenstill im Dorf. Die pausenlosen Maßnahmen und Beschlüsse haben auch mich, der das Virus für eine ferne Saga bislang hielt, in Unruhe gebracht. Die Schwimmhalle wurde letzte Woche schon geschlossen, heute nun die Schule. Die Sportvereine haben ihr Training abgesagt. Gestern kam per WhatsApp die Nachricht, dass auch mein Chor nicht mehr probt. Auch die Gottesdienste in den Kirchen fallen ab sofort aus. Am Wochenende knallte auf Facebook die Nachricht, alle Ratshäuser im Landkreis werden für den Besucherverkehr geschlossen. Auch unser rühriger Bürgermeister gab dies für Bakum bekannt. Ab jetzt ist das ganze Dorfleben erst einmal auf Eis gelegt. Ich bin auf mich allein gestellt!

Bislang hatte ich nie Vorräte im Haus. Schließlich kann man ja jederzeit im Supermarkt alles kriegen. Und ich hasse es, verdorbene Lebensmittel wegzuwerfen. Mir dämmerte zunehmend das dumpfe Gefühl, dass dies so nicht weiter geht. Ich blickte in meinem leeren Kühlschrank. Eine Gurke, ein Paar Cocktail-Tomätchen, eine Fenchelknolle, eine angebrochene Milch, paar Scheibchen Aufschnitt. Und noch eingefrorenes Vollkornbrot. Im Vorratsschrank ausreichend Tee und vor allem Kaffee! Nur noch ein ganz kleiner Rest Müsli. Und ein bisschen Reis und rote Linsen. Das war es.  In Bayern drohen die Herren Söder und Konsorten schon, die Geschäfte zu schließen. In Italien stehen die Leute schon vor den Märkten in Schlangen, um Lebensmittel zu bekommen. Droht nun die Hungerkatastrophe?

Ich erinnerte mich, dass das Bundesamt für Katastrophenhilfe zu einem Notvorrat für 10 Tage rät und beschloss, nun meine Vorräte aufzufüllen. In den Verbrauchermärkten meines Lieblingsdorfes und der Kreisstadt kam dann der Schock. Leere Regale! Klopapier, Seife, Gefriergemüse, Haferflocken ausverkauft! Fleisch, Milch und frisches Gemüse gab es noch genug. Ich ergatterte noch die letzte Großpackung Klopapier, ein paar Küchenrollen.

Einer Verkäuferin teilte ich meine Bedenken mit, dass es in Kürze nichts mehr zu kaufen gibt und die Läden geschlossen werden könnten. Die Frau widersprach resolut: „Es ist genug da! Wir kommen nur nicht nach, es nachzufüllen. Heute Mittag haben wir auch wieder Gefriergemüse. Wir bleiben offen, bis zum Schluss!“ Eine bemerkenswerte Frau, die mich sehr beeindruckt hat. Solche Leute brauchen wir mehr.

Am Nachmittag ging ich wieder in den Laden, ergatterte noch zwei Mal flüssige Handseife für die Reserve und die letzten Packungen Gefriergemüse. Für‘ s erste bin ich mit Vorräten ausgerüstet und kann zur Not mich leidlich ernähren. Morgen denke ich noch einmal nach, was mir noch alles fehlt. Welche Sau wird heute Abend durch die Nachrichten getrieben? Ich bin gespannt!

Das Gefrierfach ist für‘ s Erste gut gefüllt. So voll war es bei mir noch nie.