Mein Vorfahre Clemens Rosenbaum vermittelte Auswanderungen

Vor zwei Jahren habe ich meinen Dachboden und mehrere Räume entrümpelt, dabei stieß ich auf zahlreiche Dokumente meiner Vorfahren. Diese Dokumente und viele wertvolle historische Gegenstände habe ich dem Heimatverein überlassen. Der Heimatverein hat einen Teil dieser Dokumente ausgewertet und zwei sehr interessante Ausstellungen im Heimathaus zusammengestellt. Dabei sind historische Familienereignisse ans Tageslicht gekommen, von denen ich niemals erfahren hätte.

Mein Großvater, der Kaufmann Clemens Rosenbaum (1988-1960), war in seiner Soldatenzeit im ersten Weltkrieg Hundesanitätsführer. Wahrscheinlich ließ er sich für diese Tätigkeit ausbilden, um nicht direkt an der Front im Einsatz gehen zu müssen. Eine Ausstellung von Fotos und Schriftstücken befinden sich in einer Vitrine im Heimathaus.

Dessen Großvater, der Kaufmann und Begründer unseres Geschäftes Clemens Rosenbaum (verstorben 1886), führte noch bis kurz vor seinem Tod eine Vermittlungsagentur für Auswanderwillige. In einer Vitrine sind handschriftliche Dokumente ausgestellt, die dies belegen. Der Vorsitzende des Heimatvereins Franz-Josef Göttke hat dies in die heutige Schrift übersetzt. Aus dem Schriftverkehr ergibt sich, dass mein Urahne alle Formalitäten für Menschen aus Bakum und Umgebung erledigte, die auswandern wollten. Er arbeitete mit dem Handelshaus Fischer & Behmer in Bremen auf Provisionsbasis zusammen.

Zuhause wurde schon in meiner Jugendzeit oft von der bewegten Geschichte unseres Geschäftes gesprochen, das sich immer wieder neu gewandelt hat. Zeitweise wurde es als Kolonialwarengeschäft, als Landhandel, später auch mit angeschlossenen Textil- und Bettengeschäft mit Blaudruckerei geführt. Bis zum Jahr 2016 habe ich es als Textil und Bettengeschäft weitergeführt. In seiner langen Geschichte haben meine Vorfahren alle Möglichkeiten genutzt, Geld zu verdienen.

So boten sie zeitweise auch Bankdienstleistungen (Kredite) an, bis dies Banken übernahmen. Zusätzlich wurde eine eigene Landwirtschaft betrieben. Mit einem Eierwagen wurden Waren direkt zu den Kunden geliefert. Oft wurden auch Warenkredite, sogenannte „Auswahlen“ gewährt. Die wurden sorgfältig notiert. Nach ein paar Wochen fuhr ein Familienmitglied zu den Schuldnern, um das Geld zu erhalten. Das Geschäft war zu allen Zeiten schwer, besonders in Notzeiten.

In meinem Haus gibt es einige Denkmäler aus der bewegten Geschichte zu sehen, zum Beispiel noch ein Seilzug auf dem Dachboden, wo früher Sämereien gelagert wurden. In der Diele steht noch der alte Tresor, in dem früher Wertsachen aufbewahrt wurden, und das alte Hökerregal unseres Kolonialwarenladens.

Auf der anderen Straßenseite sind ist noch ein Gebäude, in dem früher eine Schneiderei untergebracht war. Mein Onkel hielt später hier noch Kälber und Schweine, was ich selber erlebte. Auch der Wagenschauer steht noch, wo mein Onkel seine Traktoren und Landmaschinen unterstellte. Der Stall, in dem zeitweise Pferde und später Mastschweine gehalten wurden, wurde von mir im Jahr 1997 zur Erweiterung unseres Geschäftes umgebaut. Nach Ende des Geschäftes wurde der Stall und ein Teil des Wohnhauses in eine moderne Praxis für Gesundheit und Krankengymnastik umgebaut. Heute ist wieder viel Leben in einem Haus, das eine lange und bewegte Geschichte hat und zu den wenigen übergebliebenen historischen Gebäuden in Bakum gehört.

Sobald unser Heimatverein wieder sein Heimathaus öffnet, empfehle ich den Besuch dieser und vieler anderer interessanter Exponate.

Heimatverein Bakum – Blick in die Vitrine mit der Ausstellung der Schriftstücke meines Vorfahren im Heimathaus. Foto: Rosenbaum