Pladoyer: Wir brauchen eine Männerrechtsbewegung!

Gesellschaft. Niemand steht derzeit so sehr unter Beschuss und unter Reformdruck wie die katholische Kirche – und die Männer. Die katholische Kirche will ich hier aus dem Spiel lassen und beschäftige mich mit der Lage der Männer in der heutigen Gesellschaft.

Männer haben in unserer Gesellschaft einen schweren Stand. Einerseits wird von ihnen tagtäglich harte Arbeit abverlangt. Häufig leisten sie viele Überstunden, um ihrer Familie oder für sich selber ein Auskommen zu erwirtschaften. Obwohl heute die meisten Frauen ebenfalls berufstätig sind, wird von Männern ein gutes Einkommen erwartet. Ein Mann, der dies nicht leistet, ist für die meisten Frauen als Partner auch heute noch unattraktiv. In unserer Gesellschaft hat ein Mann nur Erfolg, wenn er in seinem Beruf erfolgreich ist. Der scheiternde Mann steht am Rand unserer Gesellschaft. Davon gibt es nicht wenige.

Häufig ist die Rede von der Macht der Männer. Doch nur ein minimaler Anteil an Männern sitzt an den Hebeln der Macht. Die meisten Männer schuften hart für ihr Leben, nicht wenige setzen sich vielfältig in unserer Gesellschaft für andere ein, in der Nachbarschaft und im Verein. Mit den gesellschaftlichen Veränderungen sind die Ansprüche an die Männer gewaltig gewachsen. Er muss nicht nur gutes Geld nach Hause bringen. Von Männern wird außerdem erwartet, dass sie in der Familie präsent sind, liebevoller Vater, attraktiver und einfühlsamer Liebhaber ihrer Partnerinnen sind. Viele Frauen wünschen sich wie viele Männer eine Familie und Kinder, beanspruchen aber gleichzeitig mehr Freiheit und wollen ihre eigene berufliche Karriere machen. Der Mann soll darauf Rücksicht nehmen und sich diesem Erwartungsdruck anpassen.

Das veränderte Rollenverständnis wurde durch den Feminismus voran getrieben, der sich für mehr Rechte und für die Aufhebung der Benachteiligung der Frauen einsetzte. Schlagwörter wie „Gleichstellung“ und „Gleichberechtigung“ beherrschen die tägliche Diskussion. Ohne Zweifel sind viele Forderungen der feministischen Bewegung völlig berechtigt. Wahlrecht für Frauen, mehr Beteiligung von Frauen an der Macht sind dank der feministischen Bewegung heute selbstverständlich geworden. Die meisten Männer (mich eingeschlossen!) erkennen diese Errungenschaften als Fortschritt an.

Nicht zuletzt dank des Feminismus wurde das Patriarchat aber längst abgeschafft. Die meisten Frauen sind heute finanziell und ideell unabhängig. Zumindest verdienen sie in der Regel ihr eigenes Geld. In den meisten Familien werden Entscheidungen gemeinsam getroffen. Die Zeiten, in denen der Mann Oberhaupt und Entscheider der Familie in finanziellen Dingen war, wie ich es noch erlebt habe, sind lange her. Im Fall von Trennungen und Scheidungen fallen Frauen meistens in ein gut gestricktes soziales Netz. Es gibt zahlreiche Hilfsorganisationen, die ihnen zur Seite stehen und Frauen haben Rechtsansprüche, vor allem als Mutter. Die Richter stehen meistens auf ihrer Seite, wenn Kinder im Spiel sind. Bei Männern sieht es oft anders aus.

Frauen sind heute sehr gut vernetzt und ihre Interessen werden auf allen Ebenen zunehmend mehr durchgesetzt. Ein Beispiel sind die vielen sogenannten Gleichstellungsbeauftragen, ein Amt, das in der Regel ausschließlich Frauen ausüben dürfen. In jeder Behörde gibt es eine Gleichstellungsbeauftragte, die besser als Frauenbeauftragte bezeichnet werden sollte. Vordringliches Ziel der „Gleichstellungspolitik“ ist die Bekämpfung der Benachteiligung der Frauen und der Durchsetzung ihrer Interessen. So heißt es auf der Seite des Landkreis Vechta:

Aufgaben und Ziele der Gleichstellungspolitik

– Gleichberechtigte Partnerschaft zwischen Frau und Mann in Familie, Beruf und Gesellschaft
– Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer
– Abbau der Benachteiligung von Frauen und Durchsetzung ihrer Interessen

Quelle: landkreis-vechta.de

Von der Durchsetzung der berechtigter Interessen der Männer ist hier nicht die Rede. Die Rechte der Männer kommen in der Gleichstellungspolitik nicht vor, leider ist der Landkreis Vechta hier nicht die Ausnahme sondern ein typisches Beispiel. Eine Gleichberechtigung kann aber unter Ausschluss der Interessen der Männer nicht verwirklicht werden. Die Aufgaben einer Gleichstellungspolitik können nur durch Frauen UND Männern gemeinsam erreicht werden, dies muss sich auch in der Besetzung der Ämter widerspiegeln

Frauen sind längst nicht mehr das unterdrückte Geschlecht. Sie erobern im Gegenteil immer mehr Bereiche, die einst Männern vorbehalten waren. Längst sind Frauen willkommen in jeder Feuerwehr, sie leisten Dienst in der Polizei und sind gesucht in der Bundeswehr. Allerdings hat sich dies zum Beispiel noch nicht auf das Wehrpflichtgesetz ausgewirkt, das zwar ausgesetzt aber nicht gestrichen wurde. Während man bei Berichten über Auslandseinsätze der Bundeswehr immer betont, dass Soldatinnen und Soldaten gleichermaßen für unser Vaterland dienen, ist im Gesetz immer noch nur von der Wehrpflicht für Männer die Rede.

Medial steht die Frau mittlerweile ganz oben, als Sprecherin der Tagesschau wie als Wissenschaftlerin oder Expertin. An Universitäten erreichen zunehmend Frauen die besseren Ausbildungen und Positionen. Sehr laut ist die Beteiligung von mehr Frauen in Politik und Wirtschaft die Rede. Nur ist dazu vor allem erst einmal Voraussetzung, dass die Frauen sich in Parteien einbringen und dort um Mehrheiten bemühen. Dort werden sie längst mit offenen Armen empfangen. Alle Parteien wissen, ohne Frauen haben sie keine Chance bei Wahlen. Das kann zu den merkwürdigen Blüten führen, dass zwar niemand wegen seiner sexuellen Orientierung oder Herkunft diskriminiert werden kann, wohl aber aufgrund einer Quotenregelung wegen seines Geschlechtes.

Das gleiche gilt für die Wirtschaft. Karriere kann dort allerdings nur machen, wer sich im Unternehmen bewährt und bereit ist, dort überdurchschnittliche Leistung und Arbeitszeit zu investieren. Sowohl für Männer als auch für Frauen gilt, dass man sich für Karriere oder für die Familie entscheiden muss, wenn man Karriere machen will. Wer ganz nach oben will, muss da ganz gewaltig Kompromisse schließen. Dazu waren Frauen bislang weniger bereit als Männer. Aber wenn die Frauen es wollen, werden sie auch die Unternehmensspitzen erobern, dafür spricht der Mangel an guten Spitzenkräften und die gute Ausbildung der Frauen. Außerdem wächst auch in der Wirtschaft der Druck, eine „Frauenquote“ zu erfüllen.

Während sich Frauen zunehmend besser vernetzen, und gelten reine Männervereine und -organisationen längst als anrüchig. Ein Schützenverein, der keine Frauen aufnimmt, gilt als rückständig. Auch wird es nicht gerne gesehen, wenn Männerfreundschaften bierselig durch die Gegend ziehen. Der Vatertag ist ein Ausdruck vom unerwünschten Männerbild. Männerorganisationen haben es wesentlich schwerer, werden häufig kritisch beäugt und an den Rand gedrängt, besonders, wenn sie sich für die Rechte von Männern einsetzen. Auf der anderen Seite haben Frauen Vereine und Angebote in Kirche und Gesellschaft von viele Vereine, die Männern versperrt bleiben. Wir Männer haben, im Gegensatz zu Frauen, damit kein Problem, dass sie ihren eigenen Raum brauchen.

Seit kurzer Zeit wird mit der von wen auch immer verordneten Gendersprache das Maskuline mehr und mehr aus dem Sprachgebrauch getilgt. In fast jeder Radio- oder TV-Sendung wird Gendersprache verwendet. An einigen Universitäten ist sie längst verpflichtend, wer sich nicht daran hält, muss mit Sanktionen rechnen. Auch am Duden wird mittlerweile gendergerecht gefeilt. Berufsbezeichnungen dürfen nicht mehr generisch maskulin sein. Dafür sorgen weibliche Endungen. Am Ende wird daraus ein rein generisch femininerer Berufsbegriff. Gesprochen klingt Bürger*innen nicht anders als Bürgerinnen. Der Spieß wird also quasi umgedreht. Geschlechtergerecht ist das nicht.

Auch die Doppelbezeichnungen von Personengruppen mit jeweils weiblichen und männlichen Begriffen spalten die Gesellschaft mehr als das sie sie einen. Nicht berücksichtigt werden die vielen anderen Geschlechter, die es laut der Gendertheorie geben soll. Nach der modernen Gesellschaftsnorm soll jeder Mensch das Recht haben, sein Geschlecht selber zu definieren. Diesem Anliegen können die Gendersternchen aber keinen sprachlichen Ausdruck verleihen. Niemand kann aus Sternchen schließen, welches Geschlecht gemeint sein könnte. Mittlerweile weiß man nicht mehr, wie man sein Gegenüber ansprechen soll. Läuft demnächst jede*r mit einem Schild herum, dass er / sie / divers „er“ / „sie“ oder „them“ angesprochen werden will? Die Sexualisierung der Sprache führt zum Gegenteil, was sie angeblich bewirken soll, nicht mehr Gerechtigkeit sondern zunehmende Verwirrung. Abgesehen davon, dass die Gendersternchen Machtmissbrauch oder Gewalt, ausgeübt von Frauen oder Männern, kein Ende bereiten werden. Die Welt wird durch die verordnete Gendersprache nicht besser werden.

Das Männerbild, das in unserer Gesellschaft gezeichnet wird, ist heute oft sehr einseitig und negativ, geradezu männerfeindlich. Das spiegelt sich zum Beispiel in der Behandlung des Themas „Häusliche Gewalt“ wider. Der Täter ist immer der Mann und Opfer ausschließlich die Frau und natürlich die Kinder. Nie wird hinterfragt, was die Ursache dieser Gewalt ist und inwiefern auch Frauen aktiv daran beteiligt sind. Aus eigener Erfahrung als Mann kann ich sagen, dass dies nicht stimmt. Häufig sind alle Parteien in Familienkonflikten sowohl Täter als auch Opfer. Psychische und physische Gewalt ist dann das eskalierende Ende des Konfliktes und wird sowohl von Frauen als auch von Männern ausgeübt. Das Thema „Häusliche Gewalt“ kann nur gelöst werden, wenn Frauen UND Männern geholfen wird.

Am meisten entsetzt mich, dass hier niemand sich um die Männer kümmert, ihre Täter- / Opferrolle ins Licht wissenschaftlicher Untersuchungen stellt und den Männern Hilfe anbietet. Während Frauen sofort ein Platz im Frauenhaus angeboten wird, sind Männer oft ganz alleine in ihrer Not. Von ihnen wird erwartet, dass sie sich selber helfen. Oft führt das ganze in die Katastrophe für den Mann. Scheidung, Verlust des Wohnortes, Einkommensverlust durch Unterhaltsverpflichteungen, Arbeitslosigkeit und zuletzt ein Leben auf der Straße und Obdachlosigkeit. Letzteres kommt gar nicht so selten vor. Die meisten Obdachlosen sind Männer, die Lebenserwartung von Männern ist um fünf Jahren kürzer als bei Frauen.

Wie sehr sich der Feminismus als Leitbild in unserer Gesellschaft durchsetzt, kann man im Grundsatzprogramm der Partei Bündnis 90 / Die Grünen sehen. Es ist eine Partei, die zunehmend mehr Bedeutung und Macht gewinnt und in vielen Kommunen, Ländern und möglicherweise auch bald im Bund mitregiert. Im Grundsatzprogramm von Bündnis 90 / Die Grüne wird sehr ausführlich den Männern der Kampf angesagt. Aus Platzgründen nur ein Auszug:

(196) Unser Ziel ist die geschlechtergerechte Gesellschaft, Feminismus der Weg dorthin. Er verspricht, echte Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen einzulösen – rechtlich, kulturell und ökonomisch. Feminismus ist eine geteilte Aufgabe aller Ge­ schlechter. Es braucht Männlichkeitsbilder für eine gleichberechtigte Gesellschaft, in der wir Macht, Möglichkeiten und Verantwortung teilen.

197) Eine Gesellschaft, in der gleiche Teilhabe für alle Geschlechter Wirklichkeit ist, schützt und stärkt die Rechte aller Frauen, trans, inter und nichtbinären Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit und unabhängig von Herkunft, Alter, Behinderung, Se­ xualität oder Klasse, Religion oder Weltanschauung. Deshalb verfolgen wir einen Feminismus, der verschiedene Diskriminierungsformen auch in ihrer Verschränkung erkennt und an ihrer Beseitigung arbeitet.

Quelle: Grundsatzprogramm der Grünen, Kapitel „Feminismus, Geschlechtergerechtigkeit und queere Rechte“

Hier ist von Rechten der Frauen und aller möglichen Minderheiten (trans, inter, nichtbinär) die Rede, die Rechte von Männern werden dagegen mehr oder weniger an den Rand gestellt oder gar negiert. Das wäre nicht so tragisch, wenn es sich hier um eine Splitterpartei handeln würde. Allerdings sind die Grünen längst auf den Weg zur Macht, und da sollten wir Männer ein gewaltiges Wort mitreden, wie wir unser eigenes Rollenverständnis in einer sich wandelnden Welt definieren. Leider ist auch in in den Programmen und Leitsätzen anderer Parteien noch Gewaltig Luft nach oben, was Männerrechte angeht. Wir sollten es nicht den Feministinnen und Gendertheoretikern überlassen, ob wir an den Rand der Gesellschaft gestellt werden sollen oder uns in die gesellschaftliche Diskussion weiterhin einbringen dürfen. Wir sollten eine starke Stimme erheben, denn auch wir Männer sind 50 Prozent der Bevölkerung und haben Macht, wenn wir uns hörbarer machen.

Dazu müssen wir als Männer aber uns dieser Diskussion auch stellen und mit diskutieren. Wir dürfen es nicht anderen überlassen, welche Sprache uns vorgeschrieben wird, was im Duden steht und welche Rechte und Pflichten wir in der Gesellschaft ausüben. Jeder Mann weiß, dass sich die Welt verändert, und das wir unser Zusammenleben mit Frauen und Minderheiten neu überdenken müssen. Elementare Grundrechte (gerechte Entlohnung, Zugang zur Macht, etc.) müssen jedem Menschen unabhängig vom Geschlecht, Herkunft, Religion etc gewährt werden. Männer und Frauen müssen gegenseitig auf die Interessen des Partners Rücksicht nehmen. Dies kann je nach den Fähigkeiten von Frau und Mann und den Bedürfnissen der Familien ganz individuell verschieden sein. Dazu müssen wir Männer aber auch uns mehr gegenseitig dabei unterstützen und uns miteinander vernetzen. Wir können hier viel von den Frauenbewegungen dazu lernen.

Nur mit Männerrechtsorganisationen können wir etwas der Vielzahl von feministischen Gruppierungen entgegensetzen, die sich in der Gesellschaft etabliert haben. Mit Einzelkämpfertum werden wir Männer nichts erreichen, unsere Stimme wird in der pluralen Gesellschaft nicht wahr genommen. Dazu muss man nicht zwangsläufig Mitglied in einem weiteren Verein werden, wir Männer sind ja häufig vereinsmäßig schon in vielen Organisationen eingebunden, einer Partei, dem Sportverein, der Feuerwehr oder dem Schützenverein. Oft hilft auch eine Spende oder reine regelmäßige Fördermitgliedschaft weiter, um Männeranliegen mehr Gehör zu bieten. Je stärker Männerorganisationen werden, welche im seltensten Fall staatliche Fördermittel erhalten, desto mehr fließen die Anliegen von uns Männern auch in Parteiprogramme und in die Politik ein.

Unvollständige Liste mir bekannter Organisationen die sich für inklusive Geschlechtergerechtigkeit oder für die Rechte von Männern einsetzen:

Eine unvollständige Liste von Wikis und Seiten zum Thema Männerrechte und Geschlechtergerechtigkeit:

Die von mir hier aufgeführten Listen nicht geprüft und können gerne ergänzt werden. Ich übernehme keine Verantwortung für die Inhalte der hier verlinkten Seiten. Die tragen allein die Betreiber dieser Seiten. Schicken Sie mir gerne einen Hinweis, wenn eine Organisation oder eine empfehlenswerte Website hinzugefügt werden sollte, von der ich noch nichts gehört habe.

2 Gedanken zu “Pladoyer: Wir brauchen eine Männerrechtsbewegung!

  1. Pingback: Georg Rosenbaum: Wir brauchen eine Männerbewegung | Alles Evolution

  2. Pingback: Plädoyer: Wir brauchen eine Männerrechtsbewegung! — georg-rosenbaum.de – Ollis Blog der Infamie

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.