Das Impfchaos in Niedersachsen und anderswo

Corona Pandemie. Ist der Mangel an Impfstoff in Niedersachsen auch ein Versagen der Niedersächsischen Landesregierung? Diese Frage stellt sich mir immer deutlicher, je mehr sich die Pandemie verschärft.

Seit Wochen ist die Lage in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta prekär. Der Kreis Vechta, in dem ich wohne, ist die 7-Tage-Inzidenz über 300 Infektionen auf 100.000 Einwohner. Dennoch mangelt es hier noch stärker an Impfstoffen als anderswo. Während in anderen Bundesländern Personen meiner Altersgruppe 60+ längst geimpft werden, ist dies bei uns nicht der Fall.

In meinem Berliner Verwandten- und Bekanntenkreis sind Gleichaltrige längst geimpft. In einigen Bundesländern konnten sich die Leute sogar selber anmelden, weil ein „Überschuss“ an Impfstoff bestand. Personen, die nicht zu bestimmten Berufsgruppen oder zum Personenkreis zählen, die aufgrund chronischer Erkrankungen geimpft werden können, haben im Kreis Vechta keine Chance auf einem Impftermin.

Der Landkreis Vechta teilt auf seiner Homepage mit, dass Impfungen nur nach Anmeldung über das Impfportal des Landes Niedersachsen möglich sind. Besucht man die Homepage, muss man angeben, ob man zu bestimmten Berufsgruppen zählt oder bestimmte Erkrankungen haben. Personen, die nicht dazu zählen, können sich nicht einmal auf die Wartelisten setzen lassen. Da will sich jemand impfen lassen und kann sich nicht einmal auf eine Warteliste setzen lassen! Ich verstehe dies nicht. Demnächst wird man händeringend Leute suchen, die sich noch impfen lassen wollen. Bei solch digitaler Abwimmelei könnte man die Lust darauf verlieren.

Auch die Nachfrage bei meinem Hausarzt war frustrierend: Aufgrund meiner Diagnosen könne mir keine Impfberechtigung ausgestellt werden, erfuhr ich. Die Hausärzte erhielten einfach viel zu geringe Mengen an Impfstoffen, um die Patienten zu versorgen. Immerhin wurde mein Interesse an einer Impfung notiert. Von Bekannten erfuhr ich, dass Leute in ihrem Umfeld von ihrem Arzt problemlos eine solche Bescheinigung ausgestellt bekommen hätten, obwohl sie keine chronischen Erkrankungen vorlag. Wird mit zweierlei Maß gemessen?

Andere gaben mir den Rat, am Ende des Tages einfach zum Impfzentrum zu fahren. Dort hätten Bekannte noch Impfungen erhalten, die „übrig“ geblieben seien (Nicht im Kreis Vechta!). Auch dies halte ich für nicht richtig. Ich möchte mich keinesfalls anderen vordrängeln, vor allem nicht vor Leuten, die die Impfung noch nötiger haben als ich. Ich erwarte nur klare Regeln, an die man sich bundesweit hält.

Ganz unverständlich ist für mich, dass in Hochinzidenz-Gebieten wie unserem Landkreis nicht mehr Impfstoff verteilt wird, der anderswo offensichtlich im Überschuss vorhanden ist. Denn wenn anderswo schon die Impf-Terminvergabe freigegeben wird, sich auch jüngere problemlos anmelden können, während hier nicht ausreichend Impfstoff vorhanden ist, läuft da was eindeutig falsch. Das ist genauso, als würde die Feuerwehr nicht am Brandherd löschen, weil dort gerade kein Hydrant vorhanden ist.

Grundsätzlich fragwürdig ist, dass es offensichtlich keine einheitliche Priorisierung in den verschiedenen Bundesländern und das sich die Verteilung der Impfstoffe nicht nach der Zahl der Personen richtet, die nach ihrer Priorität eigentlich mit der Impfung zuerst dran wären. Wenn ich meinen Wohnsitz in Berlin oder in Mecklenburg-Vorpommern hätte, wäre meine Chance, Impfschutz zu erhalten, weitaus größer als hier in Vechta. Das ist ungerecht!

Es sind vor allem Männer zwischen 55 Jahren und älter, die derzeit auf der Intensivstation mit einem schweren Verlauf um ihr Leben kämpfen. Daher besteht hier besonderer Handlungsbedarf. Die Politik ist gefordert, für eine gerechte Impfverteilung zu sorgen, bundesweit! Es kann nicht sein, dass Hochinzidenzgebiete schlechter mit Impfungen als anderswo versorgt werden.

Update: Am Abend berichtet das NDR Fernsehen, dass die Terminvergabe ab dem 26. April für alle Niedersachsen im Alter von über 60 Jahren freigegeben wird. Das ist dann doch eine erfreuliche Nachricht, die Hoffnung macht, dass es nun doch vorangeht. Ab Ende Mai sollen alle Interessenten die Möglichkeit erhalten, sich zur Impfung anzumelden. Zum Bericht auf NDR.de

Beitragsbild: Das Impfzentrum in Kreis Vechta. Foto: Rosenbaum