Warum Geimpfte keine Sonderrechte bekommen dürfen, solange Impfstoff knapp ist

Corona. Die derzeitige Diskussion ist krude. Weniger als 10 Prozent der Bevölkerung haben vollen Impfschutz. 90 Prozent der Bevölkerung hatte aber keine Chance, Impfschutz zu erhalten. Aber es wird schon darüber diskutiert, ob Beschränkungen für Geimpfte aufgehoben werden sollen, während Nichtgeimpften Freiheitsrechte entzogen werden.

Vergessen wird, dass es immer noch einen Mangel an Impfstoffen gibt. Nur ein Bruchteil der Bevölkerung erhält die Chance auf eine Impfung. Aus gutem Recht wurde eine Priorisierung eingeführt. Menschen erhalten aufgrund ihres Risikos einer schweren Erkrankung vor anderen Impfschutz. Dies ist gesellschaftliche Solidarität. Wir alle nehmen solidarisch für andere die Einschränkung von Freiheiten in Kauf. Es darf nun nicht sein, dass Menschen für diese Solidarität nun doppelt bestraft werden. Sie müssen länger auf Impfschutz verzichten und haben weniger Rechte als jene, die bevorzugt geimpft wurden.

Geimpfte sollten Menschen, die getestet sind, gleichgestellt werden. Logischerweise sind Corona-Schnelltests als Nachweis nicht mehr erforderlich. Aber weitere Sonderrechte dürfen Geimpften erst gewährt werden, wenn jedem Menschen ein Impfangebot gemacht werden kann. Es darf keine Zwei-Klassen-Gesellschaft von Nichtgeimpften und Geimpften entstehen, solange es einen Mangel an Impfmöglichkeiten gibt.

Sobald es für jeden die Möglichkeit gibt, sich impfen zu lassen, kehrt sich die Lage allerdings um. Dann sollten jene, die sich impfen lassen und damit zum Schutz anderer Beitragen, jenen gegenüber bevorteilt werden, die sich einer Impfung verweigern. Ausnahme: Es gibt anerkannte Gründe, die eine Impfung verhindern. (Schwangerschaft, Allergie etc)

Wohlgemerkt, es geht nicht um mich. Ich stehe bereits auf der Warteliste und werde wohl bald geimpft werden. Aber was ist mit den Jüngeren und Gesunden, die noch warten müssen. Ich sehe uns Älteren schon in der Kneipe, während die Jüngeren draußen bleiben müssen. Das gibt böses Blut. Die Politik tut gut daran, das Fass der Pandora nicht vorzeitig zu öffnen.