Mein neues Google freies Android Handy ist da!

Smartphone. Eine neue Ära des mobilen Zeitalters hat für mich begonnen. Ich habe mir ein Android Handy ohne Google angeschafft. Und zugleich ein Handy aus europäischer Herkunft, das nachhaltig hergestellt wird. Alle Teile soll man selber austauschen können, wenn sie defekt sind. Angefangen vom Akku bis zur Kamera lässt sich aus dem Fairphone alles austauschen, ein Schraubenzieher liegt anbei. Da ich zwei linke Hände habe, werde ich das wohl besser anderen überlassen.

Dafür muss man aber bei dem Handy doch einige Abstriche machen. Die Kamera liefert bei weitem nicht die Fotoqualität, die ich von Samsung und Apple gewohnt bin. Die Software für die Kamera und Bildverwaltung ist die größte Baustelle und hakt, wenn man die Einstellungen etwas anders haben möchte. Auch das Android erinnert mich ein wenig aus den Anfangszeiten von Android. Alle Google Apps fehlen. Es werden keine Daten an Google mehr gesendet. Als Navigation ist Magic Earth installiert. Die App hatte ich auch schon auf meinem Samsung Galaxy installiert. Sie gefällt mir besser als Google Maps und liefert ebenfalls keine Daten an Google.

Als Betriebssystem ist /e/ Os installiert, ein ganz normales Android. Der ganze Schrott von Google System Apps fehlt allerdings. Für Android Nutzer ist die Bedienung also sehr vertraut und man hat alles schnell installiert. Kalender und Adressen habe ich über WebDAV mit meiner Nextcloud verbunden. So ist garantiert, dass auch die Daten auf meiner Cloud absolut privat bleiben und nicht auf Servern ausländischer Internetkonzerne verwaltet werden. Man kann natürlich auch die Konten von Apple oder Google einbinden, wenn man möchte.

Auf dem Gerät sind nur 25 Apps installiert, ein Chromium Browser, eine Kalender App, Notizen, Sprachrekorder, Wetter, Email, alles was man braucht. Alle Apps, die einen komplett mit Wohltaten beschenken, fehlen. Denn das sind größten Teils die Datenkraken der Konzerne. Wie die Gesundheitsapps, die die Aktivität des ganzen Tages verfolgen. Oder Bixby von Samsung und andere Stromfresser Apps, die man vom Gerät nicht wieder herunter bekommt, aber nie braucht.

Interessant ist, was nicht mehr auf dem Gerät funktioniert: Die Luca App kann man nicht installieren. Die Corona Warn App schon, aber das Contact Tracing funktioniert nicht. Macht mir nichts, ich habe die App auch nur installiert, um die Impfzertifikate dort abzulegen. Die brauchen wir ja wahrscheinlich in diesem Winter, um Zugang zu bestimmten Orten zu haben. Theoretisch kann man sich auch WhatsApp installieren. Aber das macht ja nicht auf einem Google freien Handy Sinn. Über Umwege könnte man auch Apps installieren, die wie Luca oder die Corona App auf Google Schnittstellen angewiesen sind. Aber es macht ja gerade den Reiz aus, Google möglichst auszusperren.

Achtung: Ich bin jetzt nicht mehr über WhatsApp erreichbar!
Stattdessen erreicht ihr mich weiterhin über SMS, mein Blog, Email, den Messenger Signal und über einige Soziale Netzwerke.

Warum bin ich so verrückt und gebe viel Geld für ein Handy aus, was eine eher schlechtere Qualität als andere Geräte hat und mit dem man vieles nicht mehr machen kann, was man alles gewohnt war? Das Handy ist heute ein Begleiter, den man den ganzen Tag dabei hat. Das Gerät übermittelt pausenlos Standorte, Kontakte, Unterhaltungen, Interessen, Aktivitäten. Mit einem Google und Apple freien Handy mache ich mich unabhängig von amerikanischen oder asiatischen Konzernen, die diese privaten Daten verwerten. Außerdem fördere ich europäische Hersteller und ein unabhängiges Betriebssystem, auf dem meine Daten nicht missbraucht werden. Je mehr Menschen dies tun, desto schneller wird das unabhängige europäische Betriebssystem verbessert und weiterentwickelt.

Fazit: Mein erster Eindruck ist, dass das Fairphone mit dem Google freien Android /e/OS ist nichts für Leute ist, die hohe Ansprüche auf Fotoqualität haben und Funktionalität haben. Technik und Software wirken ein wenig aus der Anfangszeit der Smartphones. Das Gerät wirkt auch ein wenig klobig. Die Apps laufen manchmal etwas ruckelig, weil das Handy an die Leistungsgrenze gelangt. Ansonsten hat man aber ein solides Handy, das für den Alltag völlig ausreicht. Es hat keine unerwünschten vorinstallierten Apps und Funktionen, die man nicht haben möchte und sichert deshalb einen hohen Schutz an Privatsphäre. Wer sich dafür entscheidet, sollte sich allerdings bewusst sein, dass das Betriebssystem sich noch im Entwicklungsstadium einer freien Open Source Community ist und nicht den Service von Internetkonzernen bietet.