Das Fediversum ist nicht immer jugendfrei!

Alternative Soziale Netzwerke. Vor ein paar Tagen schrieb ich hier einen Beitrag, was mir besonders an Mastodon gefällt. Heute schreibe ich mal, was mir gar nicht gefällt.

Was ist Mastodon, was ist das Fediversum?

Mastodon ist eines von mehreren dezentralen sozialen Netzwerken und gilt bei Insidern als Alternative zu Twitter. Neben Mastodon gibt es eine Vielzahl weiterer Netzwerke mit unterschiedlichen Funktionen. Die vielen unabhängigen und dezentralen Netzwerke können plattformübergreifend genutzt werden. Sie bilden zusammen das Fediversum. Besonders Mastodon wird immer beliebter. Mittlerweile sind 3,5 Millionen Nutzer angemeldet. Bei vielen Anhängern dezentraler Netzwerke gilt das Fediversum als die bessere Alternative zu Facebook, Instagram und Twitter. Hass und Rassismus soll hier keine Chance haben. Eine Welt ohne Werbung und unerwünschten Inhalten, ein freier und respektvoller, würdevoller Umgang. Die Nutzer sollen mit bessere Kontrollmöglichkeiten über ihre Daten geschützt werden. Das ist der Anspruch.

Das Fediversum besteht aus einer Vielzahl von Netzwerken

Während Twitter, Facebook und Instagram weltweit von einem großen, meist amerikanischen Internetkonzern betrieben wird, werden die dezentralen Netzwerke Mastodon, Friendica und Pixelfeed von vielen kleinen, meist privaten Anbietern betrieben. Jeder, der zuhause einen Server hat, kann eine Instanz installieren und Inhalte ins weltweite Netzwerk einspeisen. Die Betreiber verwalten ihre Instanzen und können anderen Menschen einen Zugang (Account) zum weltweiten dezentralen Netzwerk ermöglichen. Sie können innerhalb ihrer Instanz auch bestimmen, welche Inhalte angesehen oder verbreitet werden können.

Homophobie, Rassismus, Aufruf zu Gewalt ist verpönt, Pornografie wird geduldet

Und genau darin liegt das Problem. Jede Instanz gibt sich ihre eigenen Server-Regeln, und die können sehr unterschiedlich sein. Ich habe noch nie so viel Hardcore Pornografie im Internet gesehen wie im Fediversum. Fast täglich sehe ich Bilder, die nicht jugendfrei sind, manchmal sogar Bilder, die in Deutschland verboten wird. Normalerweise werden die Bilder mit sexuellen Inhalten meist hinter einer Inhaltswarnung verborgen, sie sind aber für jeden Nutzer weltweit verfügbar. Zum Beispiel sieht man auf Mastodon Bilder vom Geschlechtsverkehr oder nackte Männer mit erigiertem Geschlechtsteil. Oder nackte Frauen mit riesigen Brüsten, die sich sexuell anbieten. Einige Instanzen verbreiten diese Inhalte sogar explizit. Niemand kann genau kontrollieren, wer irgendwo auf der Welt eine Instanz betreibt, mit der unappetitliche Bilder ins Fediversum eingespeist werden. Viele Instanzen blockieren diese Server und dulden die Verbreitung von Hardcore Pornos nicht. Einen Mausklick weiter kann man sich aber bei einem anderen Anbieter einwählen und diese Inhalte ungefiltert konsumieren.

Eine Diskussion über unerwünschte Inhalte gibt es im Fediversum nicht

Wer diese Inhalte nicht sehen möchte, muss sich davor selber schützen, entweder, indem er die entsprechenden Accounts oder Server blockiert oder sich eine Instanz wählt, die sehr sorgfältig kontrolliert, welche Inhalte über ihre Instanz genutzt werden kann. Wenn ich über den zweifelhaften Umgang mit pornografischen Inhalten im Fediversum schreibe, ernte ich meistens Unverständnis. Kaum jemand verurteilt Sexismus und öffentliche Hardcore Pornos im Fediversum. Im Gegensatz zu Homophobie, Fremdenhass und Rechtsradikalismus ist man gegenüber Pornografie sehr liberal, solange sie mit einer Contentwarnung versehen wird. Wen das stört, dem wird selber die Schuld gegeben. „Wechsele doch einfach den Server, dann siehst du die Hardcore Pornos nicht mehr,“ bekomme ich als Reaktion. Das wird wohl sich erst ändern, wenn staatliche Behörden auf die Einhaltung des Jugendschutzes ein strengeres Auge werfen.

Fazit: Es muss darüber diskutiert werden, was im Fediversum erlaubt ist

Was für das Internet gilt muss auch für das Fediversum gelten. Gesetze des Jugendschutzes müssen eingehalten werden, weltweit! Pornografie darf nicht ungehindert über im Fediversum verbreitet werden. Wenn man Uploadfilter nicht will, wenn man die Freiheit und Netzneutralität sicherstellen möchte, müssen andere Wege gefunden werden, Gesetzesverstöße zu verhindern. Auch im Interesse des föderalen Internets ist das wichtig. Alternative Netzwerke werden gesellschaftlich nur akzeptiert werden, wenn die Gesetze auch eingehalten werden.