Ridepooling fürs Oldenburger Münsterland?

Verkehrswende. Seit ein paar Tagen setze ich mich mit dem Thema Mobilität im ländlichen Raum intensiver auseinander. Wer im Oldenburger Münsterland (OM) mobil sein will, ist ohne Auto auf verlorenen Posten. Der Ausbau öffentlicher Verkehrsangebote steht hier erst am Anfang. Die Wege sind häufig so weit, dass das Fahrrad nur begrenzt für die Mobilität eingesetzt werden kann. Busse fahren nur selten. Das Anrufbussystem fährt nur werktags, wenn man eine Stunde vorher seinen Fahrtwunsch angemeldet hat. Es ist liniengebunden, daher sehr inflexibel und ineffektiv und keine Alternative zum Auto. Nachts und am Wochenende gibt es im OM keinen ÖPNV. Taxis sind unbezahlbar und daher nur im Ausnahmefall eine Alternative.

In Bakum ist man nur 1A an der Autobahn

Die Autobahn A1, die unsere Gemeinde Bakum durchschneidet, wird derzeit sechsspurig ausgebaut. Sie steht symbolisch für die Dominanz des Auto und Schwerlastverkehrs in unserer Gemeinde. Der öffentliche Verkehr bleibt trotz des neuen Anrufbussystems Moobil+ für die meisten Leute unattraktiv und ist faktisch nur stündlich verfügbar, da man sich eine Stunde vorher angemeldet haben muss. Fahrten dauern wesentlich länger als mit dem Auto. Fahrten in andere Ziele als Vechta und Cloppenburg sind nur mit einem großen Zeitaufwand oder gar nicht möglich. Der Grund: Das Anrufbussystem ist liniengebunden.

Beim Ridepooling bestimmt der Kunde das Ziel

Andere Landkreise setzen deshalb als Ergänzung zum vorhandenen Verkehrsangebot auf das Ridepooling. Beispiel: Hofer Landbus …. In Zusammenarbeit verschiedener Verkehrsanbieter (Bus- und Taxiunternehmen) werden ganz unterschiedliche Fahrzeuge eingesetzt. In einer Zentrale werden die Fahrtwünsche von Kunden erfasst und miteinander gebündelt. Eine Fahrt kann jederzeit per App bestellt werden. Die Kunden werden vom Startpunkt direkt zum Ziel gebracht. Um möglichst mehrere Kundenwünsche mit einer Fahrt erfüllen zu können, muss man eventuell einen kleinen Umweg in Kauf nehmen.

Das Ridepooling ersetzt das Drittauto

Im Gegensatz zum liniengebundenen Anrufsystem könnte beim Ridepooling fast jeder Fahrtwunsch realisiert werden, gerade am Wochenende oder nachts. Es ist viel flexibler als ein Linienbussystem. Damit würde der ÖPNV viel attraktiver. Mehr Menschen könnten überzeugt werden, auf ihr Drittauto zu verzichten. Sie ist ein wesentlicher Baustein in der Verkehrswende im ländlichen Raum. Zugleich gewinnt aber unsere Region an Attraktivität. Mit Ridepooling sind Menschen mit und ohne Führerschein weitaus mobiler unterwegs. Ridepooling ist der Schritt zur Digitalisierung der Mobilität auf dem Lande. Ein weiterer Schritt wären bessere und schnellere Bahnverbindungen, mit dem Ziele wie Oldenburg, Bremen und Osnabrück noch besser und schneller erreicht werden können.

Ridepooling ergänzt Taxi und Moobil+

Das Ridepooling würde den bestehenden ÖPNV erheblich aufwerten. Es könnte in Zusammenarbeit mit den Taxi-Unternehmen und Moobil+ betrieben werden. Mit dem Anrufbus abends zur Party in die Stadt und nachts zurück mit dem Taxi, das im Rahmen des Ridepoolings Fahrtwünsche mehrerer Fahrtgäste erfüllt. Dabei werden auch die Taxis mehr ausgelastet. Gleichzeitig könnten mehr Menschen für den Öffentlichen Verkehr gewonnen werden, die Anrufbusse und der Linienverkehr könnten ebenfalls ausgebaut werden. Das Ridepooling über App könnte von der Mobilitätsstation aus mit den anderen Angeboten verknüpft werden. Dadurch würde die Mobilitätsstation zu einem echten Zentrum für Mobilität.

Zum Ridepooling gibt es für mich keine Alternative

Wenn man die Mobilität im OM verbessern will, gibt es für das Ridepooling und andere digitale On Demand Verkehrsangebote keine Alternative. Taxifahren ist mittlerweile nicht mehr bezahlbar. In Zeiten hoher Nachfrage (Schützenfeste, Stoppelmarkt) bekommt man auch kein Taxi. Wir brauchen zusätzliche Angebote, die kundenorientiert und bezahlbar Mobilität ermöglichen. Das Ridepooling wäre eine ideale Ergänzung zu den bereits bestehenden ÖV Angeboten. Außerdem brauchen wir ein öffentliches Verkehrsangebot, dass uns schnell mit dem ICE Fernbahn Netz anbindet. In ein paar Jahren kann es durchaus sein, dass sich nicht jeder mehr ein Auto leisten kann und dass man mit einem Auto noch überall hinkommt. Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Region Oldenburger Münsterland von moderner Mobilität abgehängt wird!

In Vechta steht ein auffälliges Gebäude mit der Aufschrift „Mobilitätsstation“. Wirklich mobil ist man allerdings im Kreis Vechta nur, wenn man ein Auto hat.