Mit der Bahn von Bakum nach Oldenburg, ist das möglich?

Verkehrswende. Nun ist er ganz bekloppt geworden, werden einige sagen. Ich habe es ausprobiert: Mit der Nordwestbahn nach Oldenburg zu fahren. Von Bakum aus direkt geht dies allerdings ohne weitere Verkehrsmittel nicht! In Bakum selber gibt es keinen Bahnanschluss. Der nächste Bahnhof wäre in 8 km Entfernung in der Kreisstadt Vechta. Der Bahnhof ist ohne Auto entweder mit dem Anrufbus, dem Linienbus oder mit dem Rad erreichbar. Allerdings fährt von Vechta aus kein Zug nach Oldenburg. Man kann mit der Nordwestbahn von Vechta aus nur Richtung Bremen oder Osnabrück fahren. Oldenburg würde man mit der Nordwestbahn über Bremen aus erreichen, was allerdings ein großer Umweg wäre.

Der nächste Bahnhof Richtung Oldenburg ist in Alhorn

Die Bahnlinie Wilhelmshaven Richtung Osnabrück fährt nicht über Vechta sondern über Alhorn und Cloppenburg nach Osnabrück. Eine Verbindung zwischen beiden Linien gibt es leider nicht. Für Cloppenburger gibt es keine Direktverbindung nach Bremen oder Hamburg, für Vechteraner keine Direktverbindung nach Oldenburg und an die Küste. Die Hunte-Metropole, einst, die Hauptstadt des Oldenburger Landes, ist daher nur eingeschränkt erreichbar. Als Kind bin ich mit dem Bus immer von Oldenburg bis Vechta-Calveslage gefahren, von dort wurde ich von Verwandten nach Bakum abgeholt. Als kleines Kind erschien mir dies fast wie eine Weltreise. Mit der Bahn bin ich auch damals nie gefahren. Daher war es diesmal für mich eine Premiere, mit der Bahn von Bakum aus nach Oldenburg zu fahren.

Alhorn liegt auf halber Strecke nach Oldenburg

Eigentlich macht es überhaupt keinen Sinn, mit der Bahn von Vechta aus nach Oldenburg fahren zu wollen. Denn Alhorn liegt auf halber Strecke. Von Bakum aus lenkt mein Auto-Navi mich auf die Autobahn A1. Genau 27,6 km weiter erreiche ich Bakum. 30 km weiter wäre ich in Oldenburg mit dem Auto, wenn ich auf der Autobahn geblieben wäre. In wenigen Minuten wäre ich direkt an meiner Ladestation in der Huntestraße gewesen, wo ich mein Elektroauto parke und lade. Nun bin ich am Alhorner Bahnhof. Dort gibt es einen P+R Parkplatz, auf dem ich mein Elektroauto abstelle. Ich will zum Gleis 2, stelle aber fest, dass ich das Gleis über den Bahnhof nicht erreichen kann. Ich muss erst einmal über die Straße das Bahngleis überqueren und auf der anderen Seite den Bahnsteig aufsuchen. Bezeichnenderweise schließen sich vorher die Bahnschranken und die Bahn fährt aus Richtung Oldenburg nach Osnabrück an mir vorbei. Zum Glück will ich nach Oldenburg und nicht nach Osnabrück! Auf dem Weg zum richtigen Gleis laufe ich an einer Ladestation für Elektroautos vorbei. Dort hätte ich mein Auto laden können, wenn ich wollte.

Von Alhorn ist man in wenigen Minuten in Oldenburg

Die Fahrt nach Oldenburg ist mit der Nordwestbahn sehr bequem! In guten 20 Minuten ist man direkt am Hauptbahnhof. Die Fahrt kostet 4,95 Euro. Fast so günstig wie das Ticket im Parkhaus, etwas teuer als der Tarif an meiner Ladesäule. Außer mir steigt in Alhorn nur ein Mann und ein Mädchen ein. Im Zug ist wenig los. Im Zug werde ich auch von niemand kontrolliert. In Oldenburg steige ich aus dem Zug aus. Auf dem Nachbargleis steht der Zug nach Norddeich Mole. Sehr praktisch, wenn man auf die Insel möchte! Das würde ich auch gerne mal ausprobieren. Denn dann bräuchte ich mir keine Gedanken machen, wo ich mein Auto parke und lade und der Stress mit dem Auto fahren entfiele komplett. Dafür ist der Alhorner Bahnhof eine echte Alternative, nicht aber für die Bahnfahrt nach Oldenburg. Auch für Verbrennerfahrer übrigens.

Oldenburg aus der Bahnfahrerperspektive

Es war für mich etwas völlig Neues, mit der Bahn in meine alte Heimatsstadt zu „reisen“. Über die Kaiserstraße und am Stau vorbei erreicht man sehr schnell auch zu Fuß vom wunderschönen Hauptbahnhof aus die Innenstadt. Alternativ gehts schneller mit dem E-Scooter, der in Oldenburg mittlerweile an jeder Ecke darauf wartet, dass ihn jemand mietet. Ideal ist es, wenn man ein Rad dabei hat. Das kann man ja auch sehr gut im Zug mitnehmen, wenn man möchte. Leihräder habe ich in Oldenburg bislang noch nicht gesehen. Als Oldenburger Einwohner hat man eh sein eigenes Rad, denn es ist das Hauptverkehrsmittel in der Huntemetropole. Nach meinem ausgiebigen Stadtbummel und ein Mittagessen in der Innenstadt entschließe ich mich zur Rückfahrt. Ein Blick in die Bahn App verrät mir, dass der nächste Zug in einer halben Stunde wieder Richtung Osnabrück fährt. Die Rückfahrt mit der Nordwestbahn verläuft von Oldenburg bis Alhorn genauso unspektakulär wie die Hinfahrt. Diesmal fahre ich den direkten Weg über die Bundesstraße 69 von Alhorn über Schneiderkrug und Langförden nach Bakum zurück.

In Südoldenburg verliert sich der Anschluss an die Bahn

Es sind nur gute 20 km, aber es ist eine zu große Distanz, um ohne Auto zum Alhorner Bahnhof zu gelangen. In Südoldenburg ist man ohne Auto nur mit großem Umweg oder viel Mühen mobil. Mit dem Moobil+ Anrufbus nach Vechta oder Cloppenburg und dann mit Bus und Bahn ist die Fahrt nach Oldenburg eine Tagesreise. Als ich an der Bundesstraße entlang fahre, sinniere ich ein wenig herum. Wie wäre es es, wenn parallel oder entlang der alten Bundesstraße eine zweigleisige S-Bahnstrecke nach Alhorn gebaut würde? Eine S-Bahnverbindung zwischen Cloppenburg, Vechta und Diepholz wäre ebenfalls sinnvoll und würde die Nordwestbahn attraktiver machen. Ganz früher gab es mal eine Bahn zwischen Vechta und Cloppenburg. Sie führte direkt durch mein Heimatdorf Bakum. Die Bahntrasse ist längst verschwunden. Ebenfalls gab es bis zum Jahr 1952 die Bahnverbindung zwischen Alhorn und Vechta. Ein Gleis zwischen Schneiderkrug und Vechta wird noch für den Güterverkehr verwendet, das Gleis zwischen Alhorn und Schneiderkrug wurde abgebaut. Quelle: Wikipedia.

Die Nordwestbahn ist derzeit nicht attraktiv

Oft fährt die Nordwestbahn mit leeren Waggons durch unser Südoldenburg. Denn derzeit ist sie nicht attraktiv. Es fehlt die Verbindung zur Nordwestbahn und zu den Dörfern und Städten. Die Fahrt zu den Oberzentren im Umland ist doppelt so zeitaufwändig wie mit dem Auto. Deshalb steigt niemand in die Bahn. Südoldenburg ist total autozentriert und vom Auto abhängig. Nur wenige Menschen begreifen hier den fehlenden Anschluss ans öffentliche Verkehrsnetz als Verlust. Dass der Bahnanschluss aber genauso wichtig wie der Breitband-Anschluss wird, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Die Zeiten, in denen jedermann mit dem Auto überall hin reisen kann, werden vorbei gehen. Schon wegen des Klimaschutzes wird das Fahren mit dem (eigenen) Auto erheblich eingeschränkt werden. Das Auto wird zum Luxus, nicht jeder wird sich ein Auto noch leisten können. Und zunehmend wird es aus den Großstädten verbannt. Wer dann keinen Bahnanschluss hat, verliert den Anschluss an die Welt!