7. CSD Christopher Street Day in Cloppenburg

Cloppenburg. Am Samstag, den 25. Juni, fand der 7. Christopher Street Day in Cloppenburg statt. Ich war das erste Mal dabei, um mich darüber informieren und mir auch ein Bild vor Ort zu machen. Mich beschäftigt das Thema schon lange und es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen.

(unten gibt es Bilder von dem Christopher Street Day in Cloppenburg)

Längst ist die LGBQTI – Bewegung auch bei uns im Oldenburger Münsterland angekommen. Menschen, die eine andere sexuelle Orientierung haben, als die „Mehrheit“. Wobei zu hinterfragen ist, welche Orientierung eigentlich die sogenannte „Mehrheit“ haben soll, denn in breiten Teilen der Bevölkerung leben Menschen in unterschiedlichsten Formen von Beziehungen. Viele Menschen leben in einer klassischen Familie, es gibt Alleinerziehende und ewige Junggesellen wie mich, die „ihren eigenen Weg“ gehen. Ich gehöre zu den Leute, die ihre Identität nicht über ihre sexuelle Orientierung (hetero oder schwul) definieren. Ich bin weit mehr, Sexualität ist nur ein Teil meines Lebens. Das gilt natürlich sicher wohl für alle Menschen, die an der Straßendemo in Cloppenburg teilnehmen.

Was anderes ist aber die Identität als Mann und Frau. In meinem Fall ist klar, dass ich mich als Mann identifiziere. Was ist aber mit Menschen, die sich nicht in der Geschlechterrolle definieren, in der wir sie einordnen? Wie gehen wir zum Beispiel mit transsexuellen Menschen um, wenn sie uns begegnen? Wie würde ich reagieren, wenn ich zum einer transsexuellen Person begegne, sie mein Arbeitskollege oder Vereinsmitglied wird? Es ist gut, sich selbst zu hinterfragen und darüber nachzudenken. Ich bin schon länger in diesem Punkt nachdenklich geworden. Letztendlich ist jeder Mensch einzigartig und immer auch etwas „anders“ als andere.

Es gibt eine Kritik der LGBTQI Bewegung, das ich für absolut berechtigt halte: Menschen werden wegen ihrer Andersartigkeit ausgegrenzt. Das kann jemand treffen, von dem wir bislang gar nicht wussten, dass er oder sie „anders“ als andere ist, obwohl wir diesen Menschen, so wie er oder sie ist, sehr gerne mögen. Und gleichzeitig kennt wohl jeder in in seiner Familie oder in seinem Bekanntenkreis Menschen, die schwul oder lesbisch sind. Obwohl es eigentlich in immer breiteren Bevölkerungsgruppen toleriert wird, dass Menschen queer leben, gibt es immer noch viele Vorurteile, Ängste und Aggressionen gegen Menschen, die nicht den gesellschaftlichen Konventionen entsprechen. Soweit ich verstanden habe, ist dies ein Hauptanliegen dieser Demo, das bei den Menschen zu ändern. Auf der Kundgebung setzte sich unter anderem der Cloppenburger Bürgermeister für mehr Akzeptanz einer vielfältigen Gesellschaft ein.

Es gibt aber auch Forderungen der LGBTQI-Bewegung, mit denen ich mich schwer tue. Zum Beispiel, was das Elternrecht bei Kindern angeht, die nicht von beiden Partnern, im extremsten Beispiel, von keinem der Partner gezeugt wurde. Das Kind, welches von einer ukrainischen Leihmutter ausgetragen wird. Die Trennung von Biologie und Elternschaft halte ich für problematisch, weil ein Kind immer von Mann UND Frau gemeinsam gezeugt werden. Was ist mit dem Mann, der sein Elternrecht des Kindes verliert, obwohl er es gezeugt hat? (Bei Frauen ist dies bislang wohl nur im Ausnahmefall so.) Auf der anderen Seite ist dies nicht nur in gleichgeschlechtlichen Beziehungen längst Realität! Auch heterosexuelle Partnerschaften lassen sich Kinder mit Hilfe der Medizin reproduzieren (Invitro-Medizin) und es gibt auch dort Leihmutterschaft. Warum dann nicht auch für gleichgeschlechtliche „Ehen“? Wenn man die Frage andersherum stellt, ob das Kind aus dem „Labor“ oder das Kind von Leihmüttern akzeptabel ist, bekommt man viel Shitstorm. Aber darüber muss diskutiert werden. Wir sind auf dem Weg dahin, dass dies „normal“ wird.

Schwer verdaulich bleibt für mich auch die „Ehe für Alle“. Mir geht es wie vielen, dass ich schon einen Unterschied mache, ob es sich um eine klassische heterosexuelle Partnerschaft oder eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft handelt. Und wie mir geht es vielen! Um so wichtiger ist es, sich damit auseinanderzusetzen. Unzweifelhaft sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften genauso wertvoll wie die klassische Ehe von Mann und Frau – und die vielen anderen Formen von Partnerschaften. Aber sie sind etwas Verschiedenes. DAS verstehe ich unter VIELFALT, nicht die sogenannte „Ehe für Alle“! Ich habe nie verstanden, warum die LGBTQI-Bewegung so sehr auf die „Ehe“ fixiert, die ja in unserer Gesellschaft immer mehr an Bedeutung verliert. Immer weniger Menschen heiraten, fast jede zweite Ehe wird getrennt. Die Ehe ist längst ein „goldenes Kalb“, das geschlachtet wurde, die Bindung bis zum Lebensende gibt es immer seltener. Längst ist es eine Partnerschaft eines Lebensabschnitts geworden.

Unbestreitbar ist, dass die queere Bewegung immer mehr an Einfluss in unserer Gesellschaft bekommt, auch bei uns auf dem Land.

Mehr Infos über CSD Cloppenburg unter https://www.csd-clp.de …