So funktioniert die Fahrradstadt Groningen

Mobilität. In Groningen haben Radfahrer Vorfahrt. In allen Richtungen „Grün“ ist das Motto für die holländische Stadt. Ich wollte es mir mal anschauen, habe mein E-Klapprad in den Kofferaum meines Elektroautos gepackt und fuhr in die Stadt. Ladestationen gibt es in Groningen, wie fast in allen holländischen Städten, an allen Ecken. Ich parkte mein E-Auto recht nah an der Innenstadt an einer solchen Ladestation, um es dort während meines Besuches aufzuladen. Dann packte mein Rad aus und fuhr damit los. In der Innenstadt fuhren tausende von Radfahrern, aber kaum Autos. Mitten in der Stadt gibt es nicht nur eines sondern mehrere Fahrradparkhäuser. Dort kann man sein Rad kostenlos abstellen, das Fahrradparkhaus wird ständig bewacht. Ein Steward sorgt dafür, dass kein Rad unbeaufsichtigt bleibt. Tausende Räder stehen in den Parkhäusern.

Doch die Parkhäuser sind nur ein Teil der Radstrategie Groningens. Auf den Straßen dieser Stadt haben die Räder konsequent Vorfahrt. So gibt es an vielen Straßen gleichzeitige Grünphasen für alle Fußgänger und danach für alle Radfahrer in allen Richtungen. Man kann also mit dem Fahrrad eine Kreuzung in jeder gewünschten Richtung überqueren, ohne warten zu müssen. Was zum Teil für uns Deutsche ein wichtig chaotisch aussieht, funktioniert bestens. Die Autofahrer müssen ein wenig warten, bis sie „grün“ bekommen, erst dann dürfen sie weiter fahren. Auch dürfen Radfahrer sehr oft rechts abbiegen, auch wenn die Ampel rot ist und sie dürfen oft entgegen der Richtung in Einbahnstraßen fahren.

Vor allem sind die Radwege wirklich einladend großzügig gebaut. Ganze Fahrbahnen sind für sehr breite Fahrradwege in beiden Richtungen vorbehalten. Außerdem gibt es in der Stadt viel Grün. Die Autos haben weniger Raum. Wenn man in die Seitenstraßen fährt, sieht man massenweise Räder vor den Häusern, aber kaum Autos. Parkplätze fehlen in den Straßen. Statt sein Auto hat jeder Groninger sein Rad vor der Haustür, weil er damit am mobilsten in der Stadt ist. Sechzig Prozent aller Verkehrsbewegungen in der Stadt werden mit dem Rad erledigt, heißt es auf der Website Groningen Fietsstad (Fahrradstadt Groningen). Die Stadt will den Radverkehr noch weiter ausbauen, heißt es dort.

Nach einer ausgiebigen Fahrradrundfahrt durch Groningen stellte ich mein Rad noch einmal kostenlos in einer Fahrradstation ab, um einen Kaffee zu trinken. Die Stadt ist weitaus belebter als viele andere Städte, die ich kenne. Das Fahrrad trägt zur Lebendigkeit der Stadt bei. Nach dem Kaffee packte ich mein Rad wieder in den Kofferraum meines Elektroautos und fuhr mit einem gut aufgeladenen Auto wieder nach Hause. Alternativ kann man natürlich auch ideal mit der Bahn fahren. Direkt an der Bahnstation ist ebenfalls ein riesiges bewachtes Fahrradparkhaus. In Groningen kann man sich auch ein Rad leihen, wenn man möchte. Die Fahrt hat mir einen riesigen Spaß gemacht!