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Etikedo: Verkehrswende

Hat der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) in Deutschland Zukunft?

Gestern beschäftigte ich mich in meinem Blog-Artikel „Mobilität wieder ohne Deutschlandticket?“, ob man ohne das Deutschlandticket im Nahverkehr mobil sein kann. Das Ergebnis war: Es ist fast unmöglich.

Das Deutschlandticket ist derzeit alternativlos. Ohne Deutschlandticket scheitert man an der Kleinstaaterei im Nahverkehr, denn für den ÖPNV sind die Kommunen und Bundesländer verantwortlich. Das hat zu einer Unzahl an kommunalen Verkehrsbetrieben und Verkehrsverbünden geführt, die ihre eigenen Tarifgebiete haben. Spätestens wenn man die Grenzen eines Verkehrsverbundes überschreitet, braucht man ein neues Ticket.

Allein in Vechta gibt es OM-Bus, Wilmering, Moobilplus und die Nordwestbahn. Will man ohne das Deutschlandticket eine Ticket für eine Einzelfahrt kaufen, wird es kompliziert. Jedes Verkehrsunternehmen hat seinen eigenen Tarif. Der Kauf eines gemeinsamen Tickets ist gar nicht möglich.

Benutzt man Apps wie den Fahrplaner (VBN) oder den DB Bahn Navigator, erhält man zwar eine Fahrplanauskunft, aber keinen Preis für das Ticket. Man kann höchstens ein Niedersachsenticket kaufen, das niedersachsenweit gilt. Ob man damit Moobilplus oder Wilmering Linienbusse nutzen kann, sollte man allerdings vorher erfragen.

Das eigentliche Problem des Nahverkehrs in Deutschland wurde mit dem Deutschlandticket überdeckt: Das undurchsichtige Dickicht an Verkehrsbetrieben, -verbänden und Interessen. Und die damit verbundene Ineffizienz unseres Nahverkehrs. Die gegensätzlichen Interessen und Zuständigkeiten werden dazu führen, dass man sich über die Übernahme der Kosten für ein gemeinsames Deutschlandticket nicht einigen wird, ganz gleich, wie teuer man das Deutschlandticket macht. Je teurer das Deutschlandticket wird, desto weniger attraktiv ist es für die Leute.

Mit der Zukunft des Deutschlandtickets und des ÖPNV in Deutschland sieht es so lange schlecht aus, so lange der ÖPNV nicht effizienter und moderner organisiert wird. Wir brauchen weniger Verkehrsverbünde und ein einheitliches Bezahlungs- und Tarifsystem für alle öffentlichen Nahverkehrsangebote.

Wird das Deutschlandticket wieder eingestellt?

Diese provokante Frage stelle ich als Titel vor diesen Artikel. Seit einiger Zeit hört man, dass das Deutschlandticket „teurer“ werden soll. Ursprünglich wurde es eingeführt, um mehr Menschen dazu zu bewegen, vom Auto in Bahn und Bus umzusteigen. Mehr als zehn Millionen Menschen nutzen derzeit das Deutschlandticket, darunter auch ich. Zuerst wurde es als 9-Euro-Ticket den Leuten schmackhaft gemacht, nach einer Einführungsphase der Preis auf 49 Euro angehoben. Jetzt wird die verkehrspolitische Wende rückwärts gemacht.

Das Deutschlandticket sei mit dem Preis von 49 Euro nicht mehr rentabel zu betreiben, der Preis müsse deutlich angehoben werden, heißt es. Es wurden schon Forderungen von 69 Euro für den Preis des Deutschlandtickets erhoben. Damit würde der Preis für das Deutschlandticket für viele so unattraktiv, dass der ÖPNV sicher wieder zahlreiche Kunden verlieren würde.

Das man mit Fahrtickets öffentliche Verkehrsangebote wirtschaftlich betreiben könne ist ebenso ein Märchen wie das Autobahnen und Straßen dem Bürger „kostenlos“ zur Verfügung gestellt werden können. In beiden Fällen zahlt der Staat und somit jeder Steuerzahler kräftig drauf. Die Kosten der Deutschen Bahn sowie aller kommunaler und regionaler Verkehrsunternehmen, ganz gleich, ob sie in öffentlicher oder privater Hand sind, werden zu zwei Drittel aus öffentlichen Mitteln finanziert.

Die Entscheidung über den Preis des Deutschlandtickets ist somit weniger wirtschaftlicher als politischer Natur. Wenn der Staat nicht bereit ist, mehr Mittel in öffentliche Verkehrsangebote zu investieren, erhöht man die Ticketpreise und stoppt den dringend notwendigen Ausbau öffentlicher Verkehrsangebote.

Mit dem Rechtsruck in Politik und Gesellschaft könnte es durchaus dazu kommen, dass man die Verkehrswende als Symbol grüner Politik stoppt und auf das Verbrennerauto und noch mehr Straßen setzt. Sowohl klimapolitisch als auch wirtschaftspolitisch wäre dies fatal. Denn auch das marode Straßensystem reicht für den wachsenden Verkehrsbedarf nicht aus. Wir werden nicht umhinkommen, mehr Verkehr in öffentliche Verkehrsmittel zu lenken. Es gibt keine Alternative zur Verkehrswende!

Titelbild: Blick aus einem dreckigen Zugfenster auf den Bahnsteig im Bahnhof Leer, Ostfriesland. Das Bild habe ich während einer meiner vielen Zugfahrten gemacht, die ich ohne das D-Ticket sicher nicht unternommen hätte.

Nachtrag: Wie ich gerade über das Radio erfahre, wird der Preis des Deutschlandtickets auf 58 Euro angehoben. Ich bin gespannt, wie sich das auf die Nachfrage des Angebotes auswirkt.

Meine Meinung zu efuels, Klimadiesel, HVO etc

Meine Meinung zu den sogenannten „klimaneutralen“ Kraftstoffen wie „efuels“, „Klimadiesel“, „HVO“ etc:

Keine Verbrennung von pflanzlichen Rohstoffen kann co2 – neutral sein, weil ja bei jeder Verbrennung CO2 in Form von Emissionen in die Umwelt frei gesetzt wird.

Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um synthetische, fossile oder andere pflanzliche Rohstoffe handelt. Auch Kohle, Erdgas und Öl entstanden vor Millionen Jahren aus abgestorbenen Pflanzenmaterial. Für mich ist die Behauptung einer „klimaneutralen“ Verbrennung und „klimaneutraler“ Kraftstoffe nichts anderes als eine Mogelpackung. Wir erreichen Klimaneutralität nur, wenn wir möglichst wenig CO2 und andere schädliche Abgase durch Verbrennung erzeugen und unsere Industrie, Mobilität und Wärmeerzeugung möglichst elektrifizieren.

Die Verkehrswende braucht sicherere Bahnhöfe

Im letzten Beitrag habe ich noch geschrieben, dass ich mir überlege, das Deutschlandticket zu holen. Gestern war ich mit dem Niedersachsenticket und der Bahn unterwegs auf einer Tagestour nach Hamburg. Es hat alles sehr gut geklappt. Für 25 Euro nach Hamburg und zurück und die Möglichkeit, das Angebot der Hamburger Verkehrsbetriebe zu nutzen, sind super. Damit ist man sehr mobil und braucht sich um die Anreise und Abreise kaum zu kümmern, vorausgesetzt, die Züge fahren auch wirklich.

Im Nahverkehr dauert es mit dem Metronom, der stündlich fährt, nur etwas länger als mit den Schnellzügen. Innerhalb Hamburg ist fast jedes Ziel mit öffentlichen Verkehrsmittel bequem erreichbar, das alles ist im Deutschlandticket bzw. Niedersachsenticket inklusive. Mit dem ICE von Bremen nach Hamburg braucht man fast genauso lang und fährt nach Hamburg kaum schneller. Der Preis für die Bahn von Vechta nach Hamburg und zurück beträgt schon mit 55 Euro alleine mehr als das Deutschlandticket, man hat Zugbindung und kann keinen ÖPNV in Hamburg nutzen (Außer bei der An- und Abreise).

Der einzige Haken sind die Bahnhöfe. Vor kurzer Zeit wurde über die Kriminalität in den Bahnhöfen berichtet. Man fühlt sich auf einem Bahnhof nicht sicher. Ich wurde auf den Bahnhöfen in Bremen und Hamburg vielfach direkt um Geld angebettelt und von Unbekannten angesprochen. „Können Sie mir mit 80 Cent helfen?“ Der nächste Schritt ist, dass man jederzeit bestohlen werden kann. Ich wurde nicht nur von jungen Männern angebettelt, die auf mich als durchaus arbeitsfähig wirkten, sondern auch von mehreren Frauen. Eine Frau behauptete, sie habe zwei Kinder und benötige Geld zum Essen, auch für ihre Kinder. Ich gab ihr fünf Euro. Einer anderen gab ich 2,80 Euro für die Straßenbahn. Im Nachherein denke ich, dass dies keine gute Idee war. Schon das Öffnen des Portemonnaies und eine Ablenkung kann eine Diebstahlsfalle sein.

Auf jeden Fall schrecken solche Erlebnisse von der Benutzung öffentlicher Verkehrsangebote ab, vor allen Frauen und ältere Menschen! Das ist auch ein Problem für die Verkehrswende. Will man die Leute motivieren, statt das Auto die Bahn zu benutzen, muss man die Sicherheit und den Schutz vor Belästigung auf Bahnhöfen deutlich verbessern. Sonst benutzen die Leute lieber ihre SUV Panzer, die ihnen vor unangenehmen Erlebnissen Schutz bieten.

Deutschlandticket auf dem Land?

Seit ein paar Tagen denke ich darüber nach, ob ich das Deutschlandticket doch einmal ausprobiere. Auf die Idee hat mich ein Bakumer Ehepaar gebracht, das mit dem 9-Euro-Ticket auf den Geschmack kam und das 49-Euro-Ticket rege weiter benutzt. Wenn ich das Paar treffe, berichten mir die beiden begeistert, was sie schon mit dem Deutschlandticket alles erfahren und erlebt haben. Das hat mich neugierig gemacht.

Eigentlich lohnt sich das Deutschlandticket bei uns im Kreis Vechta nicht. Denn es gibt hier keinen attraktiven Nahverkehr. Das Bundesland Niedersachsen hat den drittschlechtesten ÖPNV, und Vechta ist, was das Verkehrsangebot angeht, in den hinteren Rängen Niedersachsens. Ohne Auto ist man hier hoffnungslos aufgeschmissen.

Seit kurzer Zeit gibt es zwar auch im Kreis Vechta neben den selten fahrenden Regio-Bussen einen Anrufbuss. Er fährt seit kurzer Zeit mehrmals am Werktag zwischen Vechta, Cloppenburg und meinem Wohnort, aber benutzt habe ich ihn nur selten. Der Anrufbus fährt allenfalls stündlich, und man muss die Fahrt eine Stunde vor Fahrtbeginn per App oder Telefon bestellen. Abends und am Wochenende fährt der Anrufbus nicht. Die Benutzung muss also wohlüberlegt geplant werden, spontan sich für den Bus entscheiden, ist nicht möglich. Oft ist man schneller mit dem Rad am Ziel. Das Taxi nach Vechta kostet 25 Euro, nach Cloppenburg wohl das Doppelte, ist also auch nur im Ausnahmefall eine Alternative.

Die Nordwestbahn fährt von Vechta oder Cloppenburg nach Oldenburg, Bremen oder Osnabrück. Die Fahrt von und nach Bremen oder Osnabrück dauert mindestens eine, eher zwei Stunden, denn man muss ja auch immer zum Bahnhof, wenn man mit dem Zug fahren will. Bahn und Bus dauern deshalb immer länger als eine Autofahrt. Das sind die Nachteile des lokalen ÖPNV.

Attraktiv wird das Deutschlandticket dagegen zum Beispiel für Tagestouren in die Städte. Man erspart sich die stressige Autofahrt nach und innerhalb von Bremen, Hamburg oder Hannover, kann überall Bus, U-Bahn und S-Bahn benutzen, die mühselige Parkplatzsuche entfällt ebenfalls. In Städten kann man sich so sehr flexibel mit dem dort gut ausgebauten ÖPNV bewegen, ohne sich darum kümmern zu müssen, das Auto mitzunehmen.

Mit dem Klapprad kann man aber auch auf dem Land entlang der Nordwestbahn an einem Punkt aussteigen und am anderen Punkt wieder einsteigen. Auch das finde ich interessant. Ich habe letztens eine tolle Radtour bis nach Rechterfeld gemacht und bin mit der Bahn zurück nach Vechta gefahren. Vom Bahnhof nach Hause fuhr ich dann wieder mit dem Rad.

Übrigens, mit dem Deutschlandticket kann man sogar den Anrufbus bei uns im Landkreis benutzen. Mit einer Flatrate im Nahverkehr braucht man sich keine Gedanken mehr über Tickets machen. Einfach einsteigen und losfahren. Und von einem anderen Punkt wieder nach Hause fahren.

Ein weiterer Grund, sich das Deutschlandticket zu gönnen: Wenn man schon die Möglichkeit hat, jederzeit in einen Bus oder eine Bahn zusteigen, vielleicht ist man dann etwas mobiler und öfters unterwegs. So ein Deutschlandticket motiviert, Verkehrsangebote auch zu nutzen. Sollte dies nicht der Fall sein, kann man es auch monatlich wieder kündigen.

Last but not least ist die Nutzung des Nahverkehrs auf dem Land auch ein bisschen Abenteuer. So ähnlich wie Interrail fahren in der Abiturientenzeit. Komme ich, wie geplant, am Ziel an? Wenn mehr Menschen den Nahverkehr nutzen würde, würde er vielleicht auch mehr ausgebaut. Und muss es umgekehrt heißen: Nur wenn es seinen besseren Nahverkehr gibt, wird man auch mehr Menschen in die Busse und Bahnen locken. Das Fazit fällt zu diesem Thema etwas schwierig aus.

Mit oder ohne Rad und dem Deutschlandticket in die große Welt? Bildbeschreibung: ein älterer Mann mit Brille und roter Outdoorjacke und einem zusammengefalteten Faltrad an einem Bahnsteig.

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