Das derzeit wichtigste Thema ist in meinem Landkreis Vechta nicht das Glatteis, das ungewöhnlich kalte Winterwetter, Trump oder Grönland sondern Kampfhund Sam. Der „American Bully XL“ – so die Bezeichnung der Hunderasse – soll seinen Halter tot gebissen haben. Nun ist das Tier im Tierheim bei Diepholz untergebracht und der Fall ist das Hauptthema in Medien aller Art. Vor allem auf Instagram sollen die wildesten Gerüchte um den Hund kursieren. Es gibt sogar eine Petition „Für Sam“.

Dieser Hund verdient eine faire, unabhängige Begutachtung. Er verdient Zeit. Sorgfalt. Menschlichkeit. Er verdient das Recht auf Leben. – Petition „für Sam“

Hat der Hund den Halter gar nicht getötet sondern aus „aus Verzweiflung“ nur nach dessen Versterben angeknabbert? Letztes wurde mittlerweile rechtsmedizinisch ausgeschlossen. Demnach hat der Hund den Halter eindeutig getötet. Was passiert mit dem Hund nach diesem Vorfall? Hat ein Hund ein Recht auf „Menschlichkeit“? Sogar ein Recht auf Leben? Zu meiner Jugendzeit hätte man eine klare Antwort darauf gegeben: Nein! Man hätte man nicht lange gefackelt. Vielleicht hätte das ein Jäger „erledigt“ und das Tier wäre als „Jagdunfall“ still und heimlich „entsorgt“ worden, oder so ähnlich! Man hätte in jeden Fall einen „kurzen Prozess“ mit dem Tier gemacht. Wahrscheinlich hätte man das Tier einschläfern lassen.

Doch heute ist der Hund für viele Zeitgenossen zum Menschen geworden, ein gleichrangiges Familienmitglied. Wenn ein Hund beißt, ist für sie nicht der Hund sondern der Mensch schuldig geworden. Die Verhältnisse haben sich quasi umgedreht. Für nicht wenige Menschen ist ihr Haustier wichtiger als ihre Mitmenschen geworden. Das drückt sich darin aus, dass das Hausier gehegt und gepflegt wird, koste, was es wolle. Man lässt den Hund auf den Bürgersteig „sein Geschäft“ erledigen. Wenn der Hund bellt, erwartet man von den Nachbarn, dass sie dies klaglos ertragen. Manche Menschen werden sehr aggressiv, wenn andere ihre Einstellung zum Haustier nicht tolerieren wollen.

Brüchig wird dieses Weltbild, wenn Halter ihre Hunde schnell ins Tierheim „entsorgen“, weil das Tier für sie zur Last wird. Dann ist es mit den „Familienbanden“ schnell vorbei. Die Allgemeinheit oder all jene, die aus vermeintlicher „Tierliebe“ dafür spenden, finanzieren dann die weitere Versorgung des Tieres bis zu seinem Ableben. Für mich ist das ein weiteres Phänomen einer falsch entwickelten Haltung zu Tieren. Wesentlich tiergerechter wäre es, wenn die Hunde (und Katzen!) nicht industriell zur Bedürfnisbefriedigung von Menschen gezüchtet würden, zum Teil mit entstellten Wesenseigenschaften, um sie zu vermarkten. Den „American Bully XL“ gäbe es wahrscheinlich nicht, wenn er nicht eigens für die degenerierten Wünsche bestimmter Halter gezüchtet worden wäre.

Ich mag Hunde sehr und habe mir lange überlegt, ob ich mir einen anschaffe. Sie haben mich immer fasziniert und berühren auch in mir tief meine Seele. Doch bleiben es Tiere. Da liegt der entscheidende Unterschied zu Menschen! Haustiere dienen nicht als Ersatz zu menschlichen Beziehungen. Dies ist für mich der Hauptgrund, keinen Hund anzuschaffen. Denn die Gefahr ist groß, sich von dem Tier in dieser falschen Ilusion fangen zu lassen. Gleichzeitig trägt man als Halter die Verantwortung für eine artgerechte Haltung, die gewährleistet, dass das Haustier für niemand zur Belästigung oder Gefahr werden kann.

Ich plädiere für ein Verbot der privaten Haltung von „gefährlichen“ Hunden. Ausnahmen mag es unter Auflagen für Jäger geben. Aber niemand braucht einen gefährlichen Vorstehhund oder ein anderes Tier, das zur Waffe werden kann. Dann würden auch Hunderassen wie die von Kampfhund Sam gar nicht gezüchtet werden. Tiere, die in starken Verdacht stehen, einen Menschen schwer verletzt oder gar getötet zu haben, sollten eingeschläfert werden.

Dafür braucht es wirklich einen kurzen Prozess. Es gibt wirklich wichtigere Themen als Hunde. Auch im Landkreis Vechta!