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Vechta führt Parkgebühren ein

Schnell und spontan in die benachbarte Kreisstadt fahren, einmal über die Große Straße bummeln oder etwas auf dem Wochenmarkt einkaufen, das wird man sich in Zukunft genauer überlegen. Denn die Stadt Vechta will nun auf allen Parkflächen Parkgebühren einführen. Auf vielen Parkplätzen konnte man bislang zwei Stunden kostenlos parken. Das ist bald vorbei.

Denn auf allen Parkplätzen sollen Parkautomaten aufgestellt werden. Damit wird es unattraktiver, mit dem Auto in die Kreisstadt zu fahren. Bislang war dies ein Werbeargument für Vechta. Bewusst hatte man die Einkaufsmeile Große Straße für den Autoverkehr freigegeben. Signal: Autofahrer sind in Vechta willkommen!

Allerdings erstickt Vechta im Autoverkehr. Nicht nur staut sich es in der Großen Straße, man findet in Vechta kaum einen Parkplatz. Außer in den Parkhäusern, in denen bislang schon Gebühren verlangt wurden. Besonders im Bereich des Krankenhauses muss man Geduld mitbringen, wenn man dort parken möchte. Mit der Erweiterung des Krankenhauses wird sich der Mangel an Parkplätzen noch weiter verschärfen. Deshalb zog die Stadt Vechta nun die Notbremse mit der Einführung der Gebühren.

Allerdings ist dies ein zweischneidiges Schwert. Denn besonders der Handel lebt von den Kunden, die mit Autos nach Vechta kommen. Viele Kunden dürften nun verstärkt in den zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten vor der Stadt einkaufen, oder halt woanders. Es geht nicht nur um die Gebühren, sondern auch den Zeitaufwand, zum Parkautomaten zu rennen, um einen Parkschein zu holen. Oder die Park-App für die Bezahlung der Gebühren zu nutzen. Den einen oder anderen Kunden dürfte dies abschrecken, auch mich.

Die Alternative zum Auto ist eigentlich nur das Rad, da auch der Nahverkehr nur rudimentär ausgebaut ist. Den Anrufbus Moobil+ muss man eine Stunde vorher bestellen. Spontan mit dem Bus hin und zurück funktioniert auch nur schlecht.

Parkautomaten in Cloppenburg abgebaut

Heute war ich am Parkplatz an der Bürgermeister-Winkler-Straße in Cloppenburg. Ein Mann, der dort parken wollte, suchte verzweifelt den Parkautomaten. Überall gab es Schilder „Parken Sie per App!“ Nur Parkautomaten gab es keine mehr.

Ich half dem Mann, einen Automaten zu finden, nur an den Stellen, wo sie sich eigentlich befanden, waren sie abgebaut. An Stelle der Automaten waren nur noch abgeschnittene Kabel am Boden zu sehen.

Abgebauter Parkautomat

Der Mann war ziemlich verärgert. Geht Parken in Cloppenburg nur noch per App? Es gab kein Schild, welches die Bürger aufklärte, ob die Automaten nur kurzfristig oder dauerhaft entfernt wurden. Am einzigen Automaten an der Straße hing ein Schild defekt und ein kleiner Hinweis „Parkscheibe reinlegen“.

Schafft Cloppenburg die Parkautomaten komplett ab? Wahrscheinlich nicht. Aber möglich wäre es durchaus, dass die Städte die Parkgebühren bald nur noch digital einziehen. Das würde für sie eine erhebliche Kosteneinsparung bedeuten. Die Wartung der Automaten würde entfallen. Für die Bürger würde es aber ein weiteres Beispiel des Digitalzwangs sein. Ohne Handyapp und personalisierte Abrechnung der Dienstleistung könnte man dann diese Parkplätze nicht mehr nutzen. Dritte Firmen hätten aber damit die Möglichkeit, die Nutzungsdaten (Parkdauer, Standort, Häufigkeit und Nutzer der App) auszuwerten und zu vermarkten. Es wäre ein weiterer Schritt zum gläsernen Bürger.

Eine Frau, die sich ebenfalls über die fehlenden Automaten ärgerte, brachte es auf dem Punkt. „Sie schaffen bald auch das Bargeld ab, weil die alles wissen wollen.“

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