Will die CDU die Energiewende vorantreiben oder wird es mit der CDU eine Rolle rückwärts in der Energiepolitik geben? Klar ist die Position zumindest auf Bundesebene nicht mehr. Aus Berlin kommen deutliche Signale, dass man Erneuerbare Energie zurückfahren will, zugunsten angeblich kostengünstigere fossiler Energie. Solaranlagen und Windkraftanlagen soll sogar der Hahn abgedreht werden. Sie liefern angeblich zu viel Energie im falschen Moment. So ähnlich lauten die Argumente, die man von der Bundeswirtschaftsministerin Reiche hört.
So sollen Betreiber von privaten Solaranlagen in Zukunft keine Vergütung mehr für die Einspeisung von Strom ins öffentliche Netz erhalten sondern sogar dafür bezahlen. Und Windkraftanlagen werden abgeschaltet, anstatt dass man die günstige Energie speichert und nutzt. Stattdessen soll auf Kernenergie (Kernfusion) und Erdgas gesetzt werden.
Kernfusion wird allerdings erst in Jahrzehnten wirtschaftlich nutzbar werden, falls überhaupt. Und ob Kernkraft überhaupt politisch durchsetzbar sind, bleibt ebenso fraglich. Bislang gibt es kein Endlager. Bevor nicht hier eine Lösung gefunden wurde, ist es nicht nachhaltig, wieder auf (herkömmliche) Kernkraft zu setzen. Es ist nicht absehbar, dass in Deutschland die Bevölkerung für den Einsatz der Kernkraft überzeugt werden kann. Daher ist es falsch, wieder auf eine Technik zu setzen, von der wir uns bereits aus guten Gründen verabschiedet haben. Auch ich bin gegen Kernkraft!
Erdöl und Erdgas sind und bleiben unsicherere Rohstoffe und werden in Zukunft immer teurer werden. Sie sollten allenfalls für die Industrie benutzt werden, nicht aber zur Erzeugung von Strom und Wärme oder für Verbrennungsmotoren von PKW. Leider verkauft uns dies die Bundes-CDU sogar unter dem Unwort „Technologieoffenheit“! Auch der Strukturwandel in der Automobilindustrie lässt sich nicht durch Festhalten an der Verbrennertechnologie aufhalten.
Es ist ein Skandal, dass Windkraft- und Solaranlagen abgeschaltet werden, anstatt dass man den produzierten Strom speichert oder nutzt. Zum Beispiel mit Elektrolyseuren oder Batteriespeichern. Stattdessen sollen Eigentümer von privaten Solaranlagen sogar Einspeisegebühren für ihren produzierten Strom zahlen. Das ist Energiewende rückwärts.
Luft und Sonne liefern dagegen pausenlos preiswerte Energie, die außerdem noch dezentral aus Bürgerhand produziert werden kann. Meine Gemeinde Bakum beweist dies bereits und setzt auf Erneuerbarer Energie. In Zukunft soll die Wirtschaftsentwicklung maßgeblich von preiswerter Erneuerbarer Energie profitieren. In unmittelbaer Nähe zu Gewerbegebieten sollen Windkraftanlagen direkt für stromintensive Betriebe produzieren. Die Gemeinde Bakum will Strom aus eigenen Windkraft-, Solar- und Biomasseanlagen nutzen und die Betriebe und Einwohner mit günstigem Strom versorgen.
Bakums Bürgermeister Tobias Averbeck (CDU) arbeitet daran intensiv. Möglich werden soll dies durch Energy Sharing, erklärte er zuletzt bei einer CDU Versammlung in Vestrup. Ab 1. Juni 2026 wird Energy Sharing möglich. Das Interesse an preiswertem Strom aus Windkraft, Biomasse und Solarenergie ist riesig, teilte Averbeck mit. Sogar Betreiber von Rechenzentren hätten ihr Interesse bekundet. Die Gemeinde Bakum speist jetzt schon doppelt so viel Strom ins öffentliche Netz ein, wie in der Gemeinde Bakum verbraucht wird. Und es sollen weitere Windkraftanlagen in der Gemeinde Bakum entstehen, die die örtlichen Betriebe preiswert mit Energie versorgen. Und wenn kein Wind weht, sorgen Biomasseanlagen für günstigen Strom.
Eine wichtige Rolle spielt in diesem Konzept auch die Energiegenossenschaft Bakum. Im Vorstand und Aufsichtsrat sitzen auch Mitglieder der Bakumer CDU, darunter der CDU-Ratsfraktionsvorsitzende Ingo Ruhe. Die Bakumer CDU hat das Potential aus Erneuerbarer Energie für die lokale Wirtschaft erkannt. Günstige Energie ist Voraussetzung für die Ansiedlung von Betrieben und Erhalt von sicheren Arbeitsplätzen.
Was hält Bürgermeister Tobias Averbeck von den jüngsten Signalen der Bundes-CDU zu Erneuerbarer Energie, zum Beispiel von der Wirtschaftsministerin Katharina Reiche? Das fragte ich ihn auf der CDU Versammlung. Bürgermeister Tobias Averbeck antwortete, dass er auch in Sozialen Medien kein Blatt vor dem Mund nimmt, dass er die aktuelle CDU-Energiepolitik für falsch hält. Er bedauert, dass die Pläne der Gemeinde Bakum bei rot-grünen Politikern auf großes Interesse stießen, bislang aber nur wenige CDU-Politiker in Bakum informiert hätten. Wer aber sich darüber informiert habe, was Bakum im Bereich Erneuerbarer Energie und Wirtschaftsentwicklung plant, sei begeistert.
Auch die CDU bekennt sich bislang zur Einhaltung der Pariser Klimaziele und den Ausbau der Erneuerbaren Energie. Richtig ist es, dies marktwirtschaftlich umzusetzen. Hierbei kann die Bundes-CDU von der kleinen Gemeinde Bakum eventuell lernen. Hier entsteht ein Konzept, wie man Erneuerbare Energie zum Wohl der lokalen Wirtschaft nutzen will.
Beitragsbild: Der Bakumer Bürgermeister Tobias Averbeck bei einer Bürgerversammlung in Lüsche (Foto: Rosenbaum)