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Etikedo: Kirchengemeinde

Vechta – Drei Kirchen – eine Pfarrei

Normalerweise gehe ich sonntags in den Gottesdienst meiner Bakumer Heimatgemeinde. Schließlich liegt das nahe, weil die Bakumer Pfarrkirche bei mir gleich neben an liegt. Doch wenn ich am Wochenende Besuch bekomme oder aus einem anderen Grund nicht Sonntag vormittags zur Kirche gehen kann, fahre ich auch mal in die benachbarte Kreisstadt Vechta und besuche in der Propsteikirche St. Georg die Abendmesse. Zur Propsteikirche habe ich eine besondere Beziehung, schließlich ist sie meinem Namenspartron, den heiligen Georg geweiht. Aber auch die meist gelungenen Predigten und die professionelle Orgelbegleitung sprechen mich an. Da wird der Messbesuch für mich zu einem besonderen Erlebnis. Das geht nicht nur mir so. Man trifft in Vechta durchaus öfter auch Bakumer im Gottesdienst.

Vechtaer Pfarrgemeinde schärft das Profil ihrer Pastoral

Heute hörte ich in der Vorabendmesse aber besonders aufmerksam bei der Predigt zu, denn der eremitierte Pfarrer hatte das Thema Zukunft der Vechtaer Kirchengemeinde auf dem Programm. In Vechta gibt es drei Kirchorte: die Propsteikirche St. Georg, die Kirche Maria Frieden und St. Marien Oythe. Jeder Kirchort soll ein eigenes Profil erhalten. Außerdem soll die Gottesdienstordnung ab September verändert werden. Letzteres ist für mich relevant: Bleibt die Abendmesse sonntags, um 18.00 Uhr? Zu meiner Freude ist dies der Fall. Für mich wird sich also erst einmal nichts ändern.

Propsteikirche St. Georg Vechta – Stadtkirche und Kirche der Region

Die Propsteikirche ist die Citykirche und gleichzeitig auch die Kirche für die ganze Region Oldenburger Münsterland. Sie öffnet ihre Tore täglich für jedermann, lädt ein zum Gebet und Austausch. Dort finden alle Gottesdienste des Offizialates Oldenburg und zu den Feiertagen im Kirchenjahr statt. Sonntags ab 17.15 Uhr soll es ein Beichtangebot geben, abends lädt weiterhin die Abendmesse um 18.00 Uhr ein, den Sonntag ausklingen zu lassen. Die Propsteikirche versteht sich als Kirchort über die Grenzen der Vechtaer Pfarrgemeinde hinaus.

Kirche Maria Frieden Vechta – Familien- und Kulturkirche

Die Kirche Maria Frieden soll stärker zu einem Ort für Familien, Kinder und Jugendlichen werden. Dort sollen auch neue Gottesdienstformen angeboten werden. Dazu soll die Kirche modernisiert und renoviert werden. Bereits heute finden dort schon Samstag abends Lobpreismessen mit anschließender eucharistischer Anbetung statt. Verstärkt sollen Familienmessen und auch kulturelle Veranstaltungen stattfinden

Kirche St. Maria Oythe – Heimat und Hochzeitskirche

Die alte aus Sandstein erbaute Kirche in Oythe hat ein besonderes Flair und bietet sich geradezu für Trauungen an. Gleichzeitig bleibt sie natürlich das „geistliche Herz“ Oythes und Zentrum des Dorfes, das in die Stadt Vechta eingegliedert wurde.

Ist das Vechtaer Pastoralkonzept modellhaft für andere Kirchengemeinden?

Ich meine, ja! Die Zahl der hauptamtlichen Seelsorger sinken überall, nicht nur in Vechta, sondern in allen Pfarrgemeinden. Gleichzeitig sinken die Zahlen der Messbesucher. Es wird in den Pfarrgemeinden daher nicht mehr flächendeckend möglich sein, überall die traditionellen Gottesdienste anzubieten. Damit die Kirche noch „im Dorf“ bleiben kann und nicht zu einem geschlossenen Denkmal verflossener Frömmigkeit verkommt, ist ein eigenes Profil durchaus sinnvoll. Ich halte dieses Pastoralkonzept deshalb durchaus für zukunftsweisend. Gerade die kleinen Dorfkirchen würden sich für stimmungsvolle kulturelle und religiöse Angebote eignen. Dazu müssten die Gemeindemitglieder aber auch bereit sein, alte Gewohnheiten zu überwinden.

Hinweis: Quelle des Beitrags sind die Pfarrnachrichten der Pfarrgemeinde St. Maria Himmelfahrt Vechta vom 18.07. bis 26.07.2026

Veränderungen im pastoralen Raum

Am 27.08.2023 hielt der Pfarrer nach dem Sonntagsgottesdienst eine lange Ansprache über die Veränderungen, die unserer katholischen Kirchengemeinde Bakum bevorstehen. In den Zeitungen und Medien wurde schon lange über die geplanten Reformen im Bistum Münster berichtet. Auch unsere Kirchengemeinde soll sich dem Kirchengemeindeverband im neuen „pastoralen Raum“ anschließen. Formal bleibt die Kirchengemeinde zwar bestehen, die Verwaltung wird aber vom übergeordneten Kirchengemeindeverbund übernommen. Die Pfarrei gibt also ihre Selbständigkeit auf. Darüber werden die Gremien unserer Pfarrei in Kürze abstimmen.

Auch in katholischen Regionen wie dem Oldenburger Münsterland ist die Krise der Kirche nicht ausgeblieben. Das Kirchenvolk wird immer kleiner. Immer mehr Menschen treten aus. Man hört in diesem Zusammenhang immer wieder skurrile Geschichten: Eltern lassen ihr Kind zwar noch taufen, treten aber kurz danach aus der Kirche aus. Oder: Kurz vor dem Austritt aus der Kirche feiert man noch groß die kirchliche Hochzeit und schließt den Ehebund vor dem Altar. Oder: Angehörige wünschen sich eine katholische Beerdigung, obwohl der Verstorbene vor Jahren aus der Kirche ausgetreten ist und sie selber auch seit Jahren nicht mehr in der Pfarrei gesehen wurden. Sie sind dann sogar verärgert, wenn dem Verstorbenen eine katholische Bestattung verwehrt wird.

Unser Pfarrer berichtete, dass in diesem Jahr bis August schon knapp vierzig Leute unserer Pfarrgemeinde aus der Kirche austraten. Im Jahr zuvor traten 66 Mitglieder unserer Pfarrei aus der Kirche aus. Als regelmäßiger Gottesdienstbesucher habe ich schon lange bemerkt, dass der Besuch der Messen auch in Bakum immer schwächer wird. Auch hier stimmt das Kirchenvolk mit den Füssen ab. Viele in Bakum sind zwar noch formal katholischer Konfession, haben aber mit Kirche gar nichts mehr am Hut. Selbst bei den Messen an hohen Feiertagen wie Weihnachten, Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern bleiben Kirchenbänke in den Kirchen leer.

Ich hatte schon sehr viele Gespräche mit Leuten, die die katholische Glaubens- und Morallehre sowie die „Kirche“ als „Institution“ komplett ablehnen. Sie sind zwar noch formal „katholisch“, im Herzen aber sind sie bereits schon lange aus dieser Kirche ausgetreten. Sie haben die Kirche seit Jahrzehnten nur noch selten von innen gesehen. Auf meine Frage, warum sie nicht längst die Konsequenz gezogen haben, auszutreten, reagierten die meisten gar nicht oder gar verärgert. Mir ist schon lange klar, dass es die „Kirche“, wie sie seit Jahrzehnten in Bakum existiert, sehr bald nicht mehr geben wird, spätestens dann, wenn die Pfarrgemeinde in Bakum keinen eigenen Pfarrer mehr hat. Ich will niemand aus der Kirche treiben, aber in Zukunft kommt kein Katholik mehr an der Frage vorbei, warum er sich zum katholischen Glauben und zur Kirche bekennt. Die „Volkskirche“, in der man traditionell „katholisch“ ist, stirbt aus.

Wir haben in unserer Gemeinde vier Kirchspiele. Vier Kirchen, in denen bislang noch Gottesdienste stattfinden. Die wenigen Katholiken, der noch knapp 5.000 Mitglieder der Pfarrei, die noch an Gottesdiensten teilnehmen, hätten in nur einer der vier Kirchen spielend Platz. Um es provokant zu formulieren, die Kirche könnte sich von drei der vier Kirchen in der Gemeinde Bakum problemlos trennen, weil sie nicht mehr (hässliches Wort:) benötigt werden. Die vier Kirchengebäude sind stumme Zeugen einer längst abgelaufenen Zeit. Auch außerhalb der Gottesdienste ist selten jemand in den vier Kirchen, um zum Beispiel dort zu beten oder dort zu verweilen. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als die Menschen draußen vor der Kirche standen, weil sie beim Gottesdienst keinen Platz mehr in ihr fanden. Sie feierten die Messe VOR der Kirche mit. Lang ist das her!

Ich weiß aber auch von Bakumern, die zwar noch „zur Kirche“ gehen, allerdings außerhalb von Bakum, zum Beispiel bei den Dominikanern in Füchtel oder in Vechta. Selbst wenn am Wochenende in der Gemeinde Bakum keine Messe angeboten würde, könnten diejenigen, die zum Gottesdienst wollen, jederzeit in Nachbargemeinden außerhalb von Bakum eine Messe mitfeiern. Die Welt geht für Christen also nicht wegen der zu erwartenden Veränderungen unter, wenn sie bereit sind, sich darauf einzustellen und alte Gewohnheiten zu ändern.

Aber nicht nur beim Gottesdienstangebot wird es sicherlich zu Änderungen kommen. Auf Dauer stellt sich zum Beispiel die Frage, ob die Kirche noch in der Gemeinde Bakum drei katholische Kindergärten unterhalten kann oder ob nicht auch einige der bisher kath. Kindergärten in kommunaler Trägerschaft wechseln sollten und nicht nur ein kath. Kindergarten in der Gemeinde Bakum ausreicht. Wer unbedingt möchte, dass sein Kind in einen kath. Kindergarten geht, kann das Kind dort anmelden.

Mit sinkenden Einnahmen der Kirche aus der Kirchensteuer wird sich diese Frage sicherlich früher oder später stellen. Alternativ müssen dann vielleicht andere Angebote für Kinder entwickelt werden, deren Eltern wünschen, dass ihre Kinder katholisch erzogen werden sollen. Die Kolpingjugend und die Landjugend gibt es ja schon bereits. Das gleiche gilt für die Friedhöfe. Ein katholischer Friedhof in der Gemeinde müsste ausreichen, es bleiben jetzt schon immer mehr Grabstellen leer. Eine oder mehrere der nicht mehr benötigten Kirchen könnten zum Beispiel in ein Kolumbarium umgewandelt werden, in denen Katholiken des jeweiligen Dorfes bestattet werden können. Dann hätten die Kirchen wenigstens nach ihrer Profanisierung noch eine Funktion.

Die strukturellen Veränderungen in der Kirche stellt an jeden Menschen, der sich zum katholischen Glauben bekennt, neue Herausforderungen. Sie gibt aber auch die Chance für eine Erneuerung der Kirche. Die christliche Gemeinde lebt vom Engagement und Bekenntnis eines jeden Christen und jeder Christin. Wer katholisch glauben und leben möchte, muss in Zukunft selber mehr aktiv dafür etwas tun: Etwas weiter fahren, um Gottesdienste zu feiern, vor Ort könnten in allen vier Kirchspielen der Gemeinde Bakum Gebetsgemeinschaften und Familienkreise wachsen oder neu entstehen.

Die Chance besteht, dass in weniger Kirchen und mit Gottesdienstangebote in dafür volleren Kirchen sich eine lebendige Gemeinde aus Christinnen und Christen bildet, die bewusst ihren katholischen Glauben gemeinsam feiern wollen. Warum sollen sich nicht Gläubige auch ohne Geistliche zu einer gemeinsamen Andacht oder zu einer gemeinsamen Aktivität treffen, wenn sie das möchten? Für die Feier der Sakramente treffen sich die Gläubigen dann dort, wo noch die Eucharistie gefeiert wird. Die bestehenden vier Kirchen, die Pfarrheime und die vielen bereits bestehenden Verbände bieten den Raum und den Rahmen dafür, dass ein katholisches Gemeindeleben auch in Zukunft stattfinden kann, wenngleich auch anders, als bisher.

Beitragsbild: Die Bakumer Kirche mit sandsteinfarbenen Steinen seitlich im Sonnenlicht fotografiert. Foto: Rosenbaum

Download: Strukturprozess Pastorale Räume – Kirchengemeindeverband (PDF)

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