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Elektronisches „Deutschlandticket“ für Gelegenheitsfahrer

Seit einigen Tagen gibt es Berichte für ein „Deutschlandticket für Gelegenheitsfahrer“. Im Grunde ist es eine tolle Idee! Mit dem Smartphone meldet man sich bei Fahrtbeginn in einem Bus oder Nahverkehrszug in einer App an, am Ende der Fahrt wieder aus. Die Fahrt wird automatisch zum Bestpreis abgerechnet. Damit kann jeder barrierefrei über alle Tarifgrenzen der Verkehrsverbünde hinweg Bahn und Bus benutzen, und dies deutschlandweit!

Das macht den ÖPNV für viele Menschen viel attraktiver. In Nordrhein-Westfalen gibt es ein vergleichbares elektronisches Ticketsystem bereits: https://eezy.nrw. Die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Hamburg haben vorgeschlagen, das Angebot als „Deutschlandticket light“ bundesweit auszuweiten. Der Haken daran liegt in der Kostenabrechnung unter den vielen Verkehrsverbünden, zumal immer zum Bestpreis abgerechnet werden soll und der Kunde nicht mehr zahlt, als beim monatlichen Deutschlandticket-Abo.

Zugleich würde ein solches „Deutschlandticket light“ (D-Ticket light) das bisherige „Deutschlandticket“ kannibalisieren. Denn unter den derzeit 14 Mio. Abonnenten gibt es auch viele Gelegenheitsfahrer, die es wegen der Barrierefreiheit (und Preisdeckelung) bislang abonnieren. Dazu zähle zum Beispiel ich. Ich könnte mir durchaus vorstellen, nur noch das D-Ticket light zu nutzen, anstelle des bisherigen Deutschlandticket-Abos. Es ist ja garantiert, dass ich nicht mehr als bisher bezahle, eher weniger. Denn wenn ich das Ticket nicht nutze, brauche ich das Abo nicht mehr zu kündigen.

Nach meiner Meinung leisten die Verkehrsbetriebe zu Recht gegen so ein „D-ticket light“ Widerstand, weil ihre Einnahmen aus Fahrtickets zusätzlich sinken würden. Der ÖPNV hat bereits jetzt ein riesiges Finanzierungsproblem. Die Kosten (Energie, Trassenpreise, Personal und Fuhrpark) wachsen ständig, während die staatlichen Subventionen und die Einnahmen aus Fahrtickets sinken. Bundesländer und Verkehrsverbünde drohen bereits jetzt mit einer Einschränkung des ÖPNV-Angebots. Das Gegenteil müsste aber geschehen, um den ÖPNV attraktiver zu machen.

Für Gelegenheitsfahrer wäre das elektronische Fahrticket auch ohne Preisdeckelung auf den monatlichen Tarif des Deutschlandtickets ein riesiger Vorteil, wenn alle Fahrten „zum Bestpreis“ abgerechnet würden. Mit dem Smartphone könnten Gelegenheitsfahre in jeden Bus, Nahverkerszug oder Straßenbahn ein Ticket lösen und losfahren. Für Vielfahrer würde das Abo „Deutschlandticket“ weiterhin attraktiver bleiben, wenn es auf dem „D-Ticket light“ keinen Preisdeckel gäbe. Letzteres wäre dann eben nur für Gelegenheitsfahrer attraktiv. Ein weiterer Vorteil des herkömmlichen Deutschlandtickets wäre, dass man sich nicht zu jeder Benutzung an- und abmelden muss.

Ein Nachteil des elektronischen Fahrtickets (Beispiel eezy) bleibt, dass es nur für Smartphone-Nutzer verfügbar ist und jede Fahrt getrackt wird, wenn man mit öffentlichen Verkehrsmittel nutzt. Das Smartphone muss die ganze Zeit online und die die Ortungsfunktion eingeschaltet sein. Man ist also via dem Handy komplett trackbar. Wer dies nicht möchte, kann dieses elektronische Fahrticket nicht nutzten.

Screenshot: Aus den FAQ von eezy.nrw

Vorerst wird aus dem „D-Ticket light“ erst einmal nichts werden. Das Thema wurde von der Tagesordnung der Verkehrsministerkonferenz abgesetzt.

Hintergrund: Tagesschau – Deutschlandticket nach Bedarf?

Tarifdschungel im ÖPNV – Verkehrsgesellschaft Vechta

Ich habe Ende September mein Deutschlandticket gekündigt und wäre heute beinahe am Tarifdschungel des ÖPNV gescheitert. Es handelte sich um die Fahrt mit der Nordwestbahn von Vechta nach Bremen. Auf der Homepage las ich, dass am Fest der Deutschen Einheit die Benutzung aller Züge und Busse im „VBN-Land“ kostenlos ist. Ich stieg in Vechta in den Zug nach Bremen ohne Bahnticket ein und wurde kontrolliert. Ich wunderte mich darüber und sagte der Schaffnerin, dass die Bahnfahrt doch heute im Bereich des Verkehrsverbundes Bremen-Niedersachsen (VBN) kostenlos sei.

Ja, antwortete die Schaffnerin, aber der Landkreis Vechta gehört nicht zum VBN, erst ab Wildeshausen beginnt das „VBN-Land“. Für die Fahrt von Vechta bis Wildeshausen benötige ich ein Ticket. Aber außer mir wüssten auch viele andere Kunden nicht, wo das „VBN-Land“ beginnt und endet. Deshalb nehme sie mich heute ohne Ticket mit.

Zuhause schaute ich noch einmal nach: Die Landkreise Vechta und Cloppenburg haben tatsächlich eigene Verkehrsverbünde, in Vechta ist es die Verkehrsgesellschaft Vechta. Es gibt ein einheitliches Tarifsystem und angeschlossen sind mehrere private Busbetreiber, Moobil+ und der Stadtbus in Vechta. Die Städte Bremerhaven, Bremen, Oldenburg und Delmenhorst, Wesermarsch, Teile des Landkreis Cuxhaven, Teile des Landkreis Rotenburg, Verden, das Ammerland, der gesamte Landkreis Diepholz und der Landkreis Oldenburg. Weite Teile Niedersachsens gehören also nicht zum Verkehrsverbund Bremen-Niedersachsen.

Solange man das Deutschlandticket nutzt, fällt gar nicht auf, dass das Tarifgebiet des jeweiligen Verkehrsverbundes bereits schon an der nächsten Landkreisgrenze endet. Im ÖPNV herrscht immer noch Kleinstaaterei. Jeder kleine Verkehrsverbund hat sein eigenes Linienangebot, ein eigenes Tarifsystem und eigene Tickets, die nur bis zur nächsten Landkreisgrenze gültig sind. Es wäre viel besser, wenn man die kleinen Verkehrsverbünde in einem echten Verkehrsverbund Bremen-Niedersachsen integrieren würde, sodass man im gesamten Bereich Bremen-Hamburg-Niedersachsen mit einheitlichem Ticketsystem fahren könnte.

Außerdem sollte es eine App oder Chipkarte geben, mit der man deutschlandweit eines jedes Verkehrsmittel benutzen kann. In den Niederlanden ist das de OV-Chipkaart. Alternativ kann man in Holland auch mit der Kreditkarte ein- und auschecken. Das macht die Benutzung des ÖPNV in den Niederlanden für jedermann spielend einfach, auch für Gelegenheitsfahrer, die kein Deutschlandticket nutzen wollen.

Versehentlich das Deutschlandticket zu früh bestellt

Eigentlich wollte ich das Deutschlandticket erst wieder ab Anfang April haben. Doch aus Versehen habe ich schon heute gekauft. Anders als bisher habe ich mich diesmal entschieden, es nicht als Chipkarte sondern per App zu kaufen. Ich ging davon aus, dass ich das Ticket erst zum kommenden Monat bekomme, wenn ich es heute bestelle. Ich entschied mich dieses Mal für die Fahrplaner App des Verkehrsverbundes Bremen-Niedersachsen (VBN).

Ich probierte die Bestellung mit der Fahrplaner App aus und sofort nach dem Kauf wurde das Deutschlandticket in meiner Fahrplaner App angezeigt und ist somit gültig. Ich kann das Deutschlandticket also ab sofort wieder nutzen! Dummerweise wird mir natürlich auch der Betrag von 63 Euro innerhalb der nächsten vier Tage abgebucht, für den halben Monat. Ich hatte das Deutschlandticket im Januar aus gesundheitlichen Gründen gekündigt.

Ich habe mich diesmal für die App und gegen die Chipkarte entschieden, weil ich das Deutschlandticket wahrscheinlich im Winter wieder abgestellen will. Der letzte Winter war teilweise so streng, dass ich bei dem schlechten Wetter nicht jede Woche nach Bremen oder Osnabrück oder eine andere Stadt fahren wollte. Für weniger Fahrten reicht auch meine Bahncard. Da ich mit der App nun doch flexibler bin, ist die App für mich praktischer als die Chipkarte. Außerdem funktioniert die App „Fahrplaner“ auch auf meinem GrapheneOS Handy.

Mobilität wieder ohne Deutschlandticket?

Seit zwei Jahren bin ich mit dem Deutschlandticket mobil. Ursprünglich kostete es 49 Euro, dann 58 Euro pro Monat. Ab kommenden Jahr soll das Deutschlandticket auf 64 Euro angehoben werden. Sicher werde ich mir auch für diesen Preis das Deutschlandticket abonnieren, aber nicht für das gesamte Jahr. Zumindest in den Wintermonaten überlege ich mir bei einer weiteren Anhebung des Preises, ob ich das Deutschlandtickets für diesen Zeitraum kündige. In den Wintermonaten bin ich nicht so viel unterwegs wie im Sommer.

Welche Alternativen gäbe es für mich?

  • Das Auto – statt Bahn und Bus wieder mehr mit dem Elektroauto fahren.
  • BahnCard 50 – Mit der BC50 kann man für 15 Euro nach Osnabrück oder Bremen und zurück fahren. Da die Preise von Regionalzügen (die oft genauso schnell wie Schnellverbindungen sind) mit der BC50 relativ günstig sind, zahlt sich das im Bahnverkehr auch aus, wenn man nicht mit Superspartarifen fahren kann. Nachteil: Jedes Ticket muss vor Fahrtbeginn gekauft werden. Mit BC50 Rabbat geht dies nur mit dem DB Navigator. Die BahnCard 50 kostet allerdings auch Geld und lohnt sich nur, wenn man auch sonst öfter Flextarife im Fernverkehr nutzt. Da sie für Senioren „nur“ 82 Euro mehr als die BC25 kostet, ist sie für mich eine Option.
  • ÖPNV – Hier wird es kompliziert. Tickets kann man mit den Apps DB Navigator und den Apps der Verkehrsbetriebe oder Verkehrsverbünde kaufen. Jede Fahrt muss mit der App vor Fahrtbeginn gekauft werden. Dazu muss die Start- und Endhaltestelle bekannt sein. Einzelkarten sind im ÖPNV relativ teuer. Eine Einzelfahrkarte in Oldenburg kostet 2,90 Euro. Bei zwei Fahrten ist man schnell 6 Euro los. Dafür kann man dann auch Parkgebühren zahlen. ÖPNV werde ich ohne Deutschlandticket wohl nur im Ausnahmefall nutzen. Zu kompliziert und zu teuer!
  • Rad oder zu Fuß – Als Alternative zum ÖPNV könnte ich auch auf mein Klapp-Ebike setzen. Es lässt sich im Auto und Zug leicht mitnehmen. Von Bremen Hauptbahnhof und Osnabrück-Altstadt. Bahnhof ist man allerdings recht schnell auch zu Fuß in der Innenstadt. Aber ich könnte das Rad benutzen, um vom P+R Parkplatz in die Innenstadt zu fahren.

Fazit: Auf das Deutschlandticket zu verzichten bedeutet für mich, auf Mobilität zu verzichten. Fahrten mit Bus und Bahn müssen vorher sorgfältig geplant werden. Spontan in Bus und Bahn einsteigen und losfahren geht nicht mehr. Der ÖPNV wird für mich ohne Deutschlandticket absolut unattraktiv. Daher lohnt sich der Verzicht aufs Deutschlandticket für mich nur in den absoluten Wintermonaten, in denen man vielleicht nur selten nach Bremen, Oldenburg oder Osnabrück fahren möchte und sonst eher zuhause bleibt.

Ich weiß nicht, was die sich in der Politik da so ausdenken. Eine Verteuerung des Deutschlandtickets führt nur dazu, dass weniger Leute Bus und Bahn benutzen, mehr Einnahmen wird es nicht in das System bringen.

Was kommt, wenn das Deutschlandticket floppt?

Die Zukunft des Deutschlandtickets bleibt weiterhin ungeklärt. Dabei geht es hauptsächlich um die Finanzierung der Flatrate. Kommunen, Länder und der Bund streiten sich darüber, wer das wachsende Defizit ausgleicht. Verschärft wird dies dadurch, dass in Deutschland das einheitliche Nahverkehrsticket an einem festen monatlichen Preis gekoppelt ist, aber die Kosten zum Beispiel für das Personal ständig wächst, nicht zu letzt aufgrund starker Gewerkschaften und hohem Grad an Tarifbindung in dem Sektor. Hinzu kommen die steigenden Ausgaben für den Erhalt und die Modernisierung öffentlicher Verkehrsangebote. Das vorprogrammierte Finanzloch könnte dazu führen, dass das Deutschlandticket in seiner jetzigen Form abgeschafft wird. Was wäre die Alternative für das jetzige Deutschlandticket?

Da lohnt sich der Blick in andere Länder. Ich war letztens in Brünn. Dort kann man mit einer Chipkarte, App oder auch direkt mit Kreditkarte fahren. Dazu muss man sich vor Fahrtantritt einloggen und vor dem Austieg ausloggen. In Straßburg funktionierte es ähnlich mit App oder Chipkarte. In den Niederlanden kann man mit der OV-Chipkaart landesweit jeden Zug oder jede Straßenbahn nutzen.

Falls in Deutschland das Deutschlandticket mit günstigem Monatstarif abgeschafft wird, sollte auch in Deutschland ein einheitliches Ticketsystem eingeführt werden, bei dem man mit Kredit- oder Chipkarte jedes Nahverkehrsmittel nutzen kann. Am besten mit einer Chipkarte und Tarifen, die bei einer häufigen Nutzung günstige Rabbatpreise bis zu einer monatlichen Höchstgrenze abrechnet. Zugleich sollte die Chipkarte übertragbar sein und man müsste damit auch mehrere Personen (Familie) zu günstigen Preisen mitnehmen können. Dann könnten es Familien und Wohngemeinschaften gemeinsam nutzen und das neue Ticket würde für weitere Zielgruppen interessant, die mit dem jetzigen Deutschlandticket nicht erreicht werden.

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