Das ganze Land redet über das Deutschlandticket aber niemand redet mehr über die Reform des ÖPNV in Deutschland. In Deutschland gibt es über 60 Verkehrsverbünde und unzählige Verkehrsbetriebe in den Städten und Kreisen mit eigenen Tarifen, unzähligen Apps und Ticketssystemen. Das Deutschlandticket hat diese Realität nur verdeckt, weil man damt den Nahverkehr überregional in Deutschland über die Grenzen der Verkehrsverbünde nutzen kann.
Das Deutschlandticket hat aber die Kleinstaaterei im Nahverkehr keineswegs aufgehoben sondern den Fortbestand eher verstetigt. Über eine Reform des Nahverkehrs mit mehr Effizienz und weniger Kosten wird kaum diskutiert. Zuletzt hatte der damalige Verkehrsminister Wissing (FDP), unter dem auch das Deutschlandticket eingeführt wurde, dies gefordert. Seit dem Ende seiner Amtszeit ist dieses Thema wieder aus der öffentlichen Diskussion verschwunden.
Anders ist dies bei dem Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk. Dort diskutiert man längst über eine Reform und Straffung des Angebotes. Es wird auch darüber diskutiert, ob ARD und ZDF zusammen arbeiten sollen und einige der Landesrundfunkanstalten der ARD zusammengelegt werden sollen.
Dies würde auch bei den 60 Verkehrsverbünden sinnvoll sein. Allein im Flächenland Niedersachsen gibt es vier große Verkehrsverbünde, die die Regionen des Bundeslandes größtenteils abdecken und kleinere Verbünde. Gemeinsam mit dem Bundesland Bremen und eventuell den Bundesländern Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern würde ein gemeinsamer Nordverbund ausreichen. Auch in den anderen Teilen Deutschlands könnten die westlichen, die östlichen und südlichen Bundesländer zu jeweils einem Verkehrsverbund zusammengeschlossen werden
Dazu sollte es auch ein einheitliches deutschlandweit gültiges Tarifsystem und die Möglichkeit geben, neben dem monatlich abonnierbaren Deutschlandticket auch mit einer App oder noch einfacher mit der Kreditkarte oder dem Handy jedes Nahverkehrsangebot nutzen zu können. In den Niederlanden ist dies mit OV-Chipkaat und OV-Pay längst möglich.
Damit könnte dann auch jeder jederzeit den gesamten Nahverkehr bundesweit barrierefrei nutzen, der kein Deutschlandticket nutzen möchte.